„Eines der schwierigsten Anbaujahre der hessischen Landwirtschaft“ - HBV-Generalsekretär Peter Voss-Fels zieht Erntebilanz
„Unsere Bauern haben eines der schwierigsten Anbaujahre in der Geschichte der hessischen Landwirtschaft erlebt, es war aber nicht unerfolgreich.“ Das sagte der Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Peter Voss-Fels, heute in einem Pressegespräch in Niddatal-Assenheim anlässlich des Landeserntedankfestes. Dieses Fest habe für die Bauern einen hohen Stellenwert und eine lange Tradition. Es findet am Sonntag, dem 16. Oktober 2011, 14.00 Uhr, in der Basilika Maria, St. Petrus und Paulus in Niddatal-Ilbenstadt statt.
„Schon die Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst waren katastrophal, dann kam die lang anhaltende Trockenheit von März bis Mai mit einem Niederschlagsdefizit von 50 bis 70 Prozent. Als das Getreide fast reif war, kamen dann die lang ersehnten Niederschläge, so dass die Ernte regelrecht vom Acker gestohlen werden musste.“, so Voss-Fels. Aber nicht nur die Witterung bereitete Probleme, zu Beginn des Jahres machte der Dioxin-Skandal, der von einem einzeigen Futtermittelhersteller verursacht wurde, und im Mai-Juni die Ehec-Krise den Landwirten das Leben schwer.
„Aufgrund dieser schwierigen Witterungsbedingungen haben wir in Hessen mit 1,99 Mio. Tonnen etwa 5 Prozent weniger geerntet als im langjährigen Mittel. Mit rund 66 Dezitonnen je Hektar lag auch der durchschnittliche Getreideertrag 5 Prozent unter dem Ertrag des Vorjahres, in dem 70 Dezitonnen je Hektar geerntet wurden. In einzelnen Gebieten wurden jedoch Ertragsminderungen von bis zu 80 Prozent gemeldet“, betonte der HBV-Generalsekretär. Er wies ausdrücklich darauf hin, dass die Ertragsminderungen in diesem Jahr je nach Standort und Niederschlagsverhältnissen sehr unterschiedlich seien. Auf den besseren Standorten, wie zum Beispiel in der Wetterau mit ihren tiefgründigen Lößböden und guter Wassernachlieferung, seien zum Teil die Durchschnittserträge der letzten Jahre erreicht worden. Dagegen habe es auf den flachgründigeren Böden, wie zum Beispiel in den hessischen Mittelgebirgslagen oder auf den Sandböden Südhessens, Ertragseinbußen von bis zu 80 Prozent gegeben. Im Gegensatz zu den anderen Getreidearten habe der Winterweizen die Juni-Niederschläge noch verwerten können. Die Ertragsminderung beim Winterweizen belief sich auf 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Roggen wurden 14 Prozent weniger geerntet, bei der Wintergerste 10 Prozent weniger. Noch stärker gelitten habe die Sommergerste mit einem Minus von 19 Prozent. Dem Raps machte neben den schlechten Aussaatbedingungen der harte Winter und die Frühjahrstrockenheit besonders zu schaffen. Deshalb seien die Rapserträge im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent eingebrochen. 2011 seien im Durchschnitt 32 Dezitonnen je Hektar geerntet worden, 2010 waren es knapp 40 Dezitonnen je Hektar.
Gute Rapspreise
Erfreulich entwickelt hätten sich dagegen die Rapspreise mit aktuell 415 Euro je Tonne (Vorjahr: 357 Euro je Tonne). Braugerste erbringe rund 215 Euro je Tonne, gegenüber 190 Euro je Tonne im Vorjahr. Die Brotweizenpreise hätten dagegen nachgegeben. Aktuell würden rund 178 Euro je Tonne notiert, gegenüber 189 Euro im Vorjahreszeitraum. Beim Silo- und Körnermais seien die Erträge sehr gut. Bei den Zuckerrüben werde eine Rekordernte erwartet. In der Wetterau rechne man mit Hektarerträgen von 76 Tonnen und mit einem Zuckergehalt von 18 Prozent. Auch die Kartoffelerträge seien gut. Probleme bereiteten allerdings Übergrößen und schlechte Erzeugerpreise.
Durch die Ehec-Krise sei der Verkauf von Tomaten, Gurken und Blattsalaten in der letzten Mai- und ersten Juniwoche aufgrund der amtlichen Verzehrwarnung fast vollständig zum Erliegen gekommen. Den deutschen Gemüsebauern sei dadurch ein Schaden von insgesamt etwa 75 Mio. Euro entstanden, der nur zum geringen Teil ausgeglichen wurde.
Ferkelerzeuger leiden unter hohen Futterkosten
„Nach einer ersten Auswertung landwirtschaftlicher Betriebsergebnisse des Wirtschaftsjahres 2010/2011 beläuft sich der durchschnittliche Gewinn je Familien-Arbeitskraft auf rund 3.000 Euro im Monat“, berichtete Peter Voss-Fels. Davon müssten allerdings noch die Sozialversicherungsbeiträge, die Verzinsung des Eigenkapitals und die Zukunftsinvestitionen abgezogen werden. Insofern sei dieser Betrag nicht vergleichbar mit dem Lohn eines Arbeitnehmers. Dieses Durchschnittseinkommen hätten die hessischen Veredlungsbetriebe, insbesondere die Ferkelerzeuger, nicht erreichen können. Dafür machte Voss-Fels die anhaltende Preismisere und gestiegenen Futter- und Energiekosten verantwortlich. In der Ferkelproduktion ergebe sich allein durch gestiegene Futterkosten eine Mehrbelastung von ca. 12 Euro je Ferkel. Die Mäster müssten derzeit 25 bis 30 Euro mehr je Mastschwein für das Futter aufbringen. Somit sei eine kostendeckende Erzeugung unmöglich.
Landverlust bereitet große Sorgen
Der nach wie vor viel zu hohe Landverlust bereite den hessischen Bauern große Sorten. „Durch die Zunahme von Siedlungs- und Verkehrsflächen geht bei uns in Hessen jeden Tag rund 5 Hektar Landwirtschaftsfläche verloren“, sagte Peter Voss-Fels. Damit verschwinde in nur 14 Tagen die Existenzgrundlage eines Haupterwerbsbetriebes. Bevor neue Baugebiete ausgewiesen würden, sollte man versuchen, die Ortskerne durch die Schaffung von neuem Wohnraum zu beleben. Auch müsse der überzogene naturschutzrechtliche Ausgleich auf ein notwendiges Maß reduziert werden.
Gute Produktionsbedingungen in der Wetterau
„Wir danken unserem Schöpfer für die guten Produktionsbedingungen, die wir in der Wetterau vorfinden“, sagte der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Wetterau – Frankfurt am Main, Herwig Marloff, mit Blick auf die im Vergleich zu anderen Regionen Hessens verhältnismäßig guten Ernteergebnisse. Aufgrund der achtziger Böden in der zentralen Wetterau hätten die Pflanzen die lang anhaltende Durststrecke wegen fehlender Niederschläge im Frühjahr gut überstanden. In einigen Gebieten und Betrieben lägen die Getreideerträge sogar leicht über dem langjährigen Durchschnitt. Beim Raps habe es eine gute Ernte gegeben. Der erste Grünlandschnitt ließ allerdings sehr zu wünschen übrig.
Die Mais- und Zuckerrübenerträge bewegten sich auf Rekordniveau. „Im Wetteraukreis gibt es noch rund 1.000 landwirtschaftliche Betriebe, davon werden 400 im Haupterwerb und 600 im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die landwirtschaftliche Fläche beläuft sich auf insgesamt 53.000 Hektar, darunter 40.000 Hektar Ackerland und 13.000 Hektar Grünland“, berichtete Marloff. Im Kreisgebiet würden insgesamt 21.000 Rinder und 24.000 Schweine in mittelständischen Betrieben gehalten. Mittlerweile gebe es auch vier größere Biogasanlagen in der Wetterau. Auch Marloff zeigte sich besorgt vom zunehmenden Landverbrauch. Er hofft, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe stabil bleibt.
hbv
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