10 Jahre „Bauernhof als Klassenzimmer“ in Hessen Viel Lob für die Gemeinschaftsinitiative
Mit der Gemeinschaftsinitiative „Bauernhof als Klassenzimmer“ des hessischen Landwirtschaftsministeriums, des Hessischen Kultusministeriums und des Hessischen Bauernverbandes wird den Heranwachsenden die landwirtschaftliche Produktion und Lebensweise nahegebracht. „Damit werden das Bewusstsein für unsere qualitativ hochwertigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse geschaffen und bestehende Vorurteile abgebaut“, betonte Hessens Landwirtschaftsministerin Silke Lautenschläger am 18. August zum 10-jährigen Jubiläum von „Bauernhof als Klassenzimmer“ auf dem Lernbauernhof Rhein-Main der Familie Gerhard Maurer in Bad Homburg/Ober-Eschbach. Sie bezeichnete die Gemeinschaftsinitiative als eine Erfolgsgeschichte.
Wer Produkte aus der Region kauft, ist klar im Vorteil. Die heimischen Erzeugnisse können vor allem durch Frische und ihren ausgezeichneten Geschmack punkten“, sagte die Ministerin. Kurze Wege und das saisonale Angebot seien für eine gesunde Ernährung wichtig. „Diese Botschaften müssten nach draußen getragen werden. „Dafür garantiert die Initiative ‚Bauernhof als Klassenzimmer’“, sagte Lautenschläger. Mehr als 150 hessische landwirtschaftliche Betriebe bieten im Rahmen der Initiative Betriebsbesichtigungen, Hoferkundungstage und Projekttage für Schulklassen an.

Als einer der Pioniere von „Bauernhof als Klassenzimmer“ erhielt Gerhard Maurer (Bildmitte) von Ministerin Lautenschläger und HBV-Vizepräsident Müller (rechts) eine Urkunde und eine entsprechendes Hofschild. Links im Hintergrund: Daniela Born-Schulze, HMUELV.
Schülern moderne Landwirtschaft nahe bringen
„Die Gemeinschaftsinitiative „Bauernhof als Klassenzimmer“ hat für den Hessischen Bauernverband einen hohen Stellenwert – geht es doch darum, Schülerinnen und Schülern die moderne Landwirtschaft in all ihren Facetten nahe zu bringen und mögliche Wissensdefizite abzubauen“, betonte Armin Müller, Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes. Vor allem in Ballungsräumen, aber auch in ländlichen Regionen, werde es für Kinder und Jugendliche immer schwieriger, eigene Erfahrungen auf landwirtschaftlichen Betrieben zu sammeln, weil die Zahl der Betriebe in den zurückliegenden Jahrzehnten deutlich geschrumpft sei. Den Bauern in der Nachbarschaft oder im Verwandtenkreis gebe es kaum noch. Deshalb sei es umso wichtiger, für Schulen, aber auch Kindergärten, ein Angebot zu schaffen, das einen vertiefenden Einblick in landwirtschaftliche Betriebsabläufe und das Leben auf Bauernhöfen ermöglicht.
Vizepräsident Müller äußerte den Wunsch, dass der Besuch eines Bauernhofes oder die Bearbeitung eines landwirtschaftlichen Projektes für jeden hessischen Schüler zu einer Pflichtveranstaltung werden sollte, außerdem möge die Landesregierung „Bauernhof als Klassenzimmer“ in Zukunft stärker finanziell unterstützen.
Landwirtschaft bietet Anknüpfungspunkte für fast jedes Schulfach
„Für das Hessische Kultusministerium und vor allem für die Schulen in Hessen ist das Angebot, das durch die Initiative „Bauernhof als Klassezimmer“ gemacht wird, von großer Bedeutung, hilft es doch, die wichtigen Themenbereiche Landwirtschaft und Ernährungs- und Verbraucherbildung praxisnah und kompetent zu gestalten“, sagte Reiner Mathar vom Hessischen Kultusministerium. Eingebunden ist diese Initiative in das Gesamtprogramm von Schule & Gesundheit. Die Landwirtschaft biete für fast jedes Schulfach Anknüpfungspunkte, angefangen von Biologie und Erdkunde über die Fächer Chemie und Physik, Politik und Wirtschaft bis hin zu Mathematik und Geschichte. Der Pädagoge empfiehlt den Schulen, bei Themen rund um die Landwirtschaft unbedingt einen landwirtschaftlichen Betrieb mit einzubeziehen. Der Landwirt sei Experte beim Düngemitteleinsatz und in der Tierhaltung, um nur zwei wichtige Bereiche zu nennen. Vor allem aber die praktischen Einblicke und das Mittun auf den Betrieben habe für die Bildung und Erziehung von Kindern und Heranwachsenden eine besondere Bedeutung. „Wer selbst aus Milch Butter hergestellt hat, wird dieses Produkt mit anderen Augen sehen und entwickelt ein anderes Verhältnis dazu“, so Reiner Mathar. Zu erleben, wie Lebensmittel hergestellt werden präge den zukünftigen Lebensstil und das zukünftige Verhalten als hoffentlich bewusster Konsument.
Lernbauernhof Rhein-Main von Beginn an dabei
Der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs, hob hervor, dass der Lernbauernhof der Familie Maurer sich von Beginn an im Rahmen von „Bauernhof als Klassenzimmer“ engagiert habe. „Ich freue mich über dieses Engagement. So erfahren Kinder und Jugendliche aus erster Hand alles rund um die Landwirtschaft. Sie helfen bei der Ernte, bei Stallarbeiten und bei der Herstellung von Nahrungsmitteln. Jedes Jahr besuchen fast 4 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene den Hof“, so Krebs. Den Hauptanteil bildeten mit 60 Prozent der Besucher Schulklassen, 35 Prozent seien Kindergartengruppen und 5 Prozent Erwachsene. Neben dem Lernbauernhof gebe es im Hochtaunuskreis noch 18 Betriebe, die ihre Höfe als Klassenzimmer zur Verfügung stellten - im Internet gelistet seien 10 Betriebe.

Bei der lebhaften Diskussion mit Oberstufenschülern der Christian-Wirth-Schule Usingen ging es unter anderem um die Notwendigkeit der EU-Direktzahlungen. Von links nach rechts: Moderator Dr. Karl-Heinz Heckelmann, Landwirtin Brigitte Trageser, Ministerin Silke Lautenschläger, Vizepräsident Armin Müller und Reiner Mathar vom Hessischen Kultusministerium.
Fotos: Bernd Weber
Lebendige Diskussion und interessante Eindrücke
Zum Thema „Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Politik und Markt“ diskutierten Schüler eines Oberstufenkurses „Politik und Wirtschaft“ der Christian-Wirth-Schule Usingen mit den Experten. In der von Dr. Karl-Heinz Heckelmann, Leiter des Fachbereiches Ländlicher Raum des Hochtaunuskreises, moderierten Diskussionsrunde wurden Fragen zu EU-Direktzahlungen, erneuerbare Energien, der Grünen Gentechnik, zur Milchpreisgestaltung, zur Schulverpflegung aus der Region bis hin zu Spekulationen auf den Weltagrarmärkten behandelt.
Peter Driehsen, Lehrer der Richtsberg-Gesamtschule Marburg stellte unter anderem das Projekt „Landwirtschaft ist Kuh(l)“ für Siebtklässler vor. Er habe die Erfahrung gemacht, dass selbst Siebtklässler gerne Tiere streicheln, der unmittelbare Kontakt mit der Landwirtschaft sei für die Schüler wichtig. Dadurch würden zum Beispiel Inhalte der Fernsehsendung „Bauer sucht Frau“ relativiert. Brigitte Trageser, Landwirtin aus Linsengericht-Waldrode sagte, dass sie viel Freude dabei empfinde, Kindern den Ursprung von Lebensmitteln zu erklären. Mehr als 300 Kinder besuchten pro Jahr ihren Milchviehbetrieb.
„Auf die Frage, wozu braucht man Schafe, antworten fast alle Schüler, aber auch Erwachsene: Wolle.“ So beschrieb Gerhard Maurer, Eigentümer und Bewirtschafter des Lernbauernhofes Rhein-Main, eine seiner Erfahrungen mit „Bauernhof als Klassenzimmer“. Die wenigsten wüssten, dass Schafe hierzulande in erster Linie zur Fleischproduktion und zur Landschaftspflege gehalten würden. Gerhard Maurer wies darauf hin, dass seine Öffentlichkeitsarbeit mit dem Projekt „Landwirtschaft zum Anfassen“ vor knapp zwei Jahrzehnten begonnen habe. Sein Respekt gelte den Berufskollegen, die sich für Schulklassen öffneten und zusätzlich einen landwirtschaftlichen Betrieb im Vollerwerb bewirtschaften.
Ministerin Lautenschläger und Vizepräsident Müller überreichten zum Dank und als Zeichen der Anerkennung etwa 20 beteiligten Betrieben eine Urkunde und ein Hofschild „Bauernhof als Klassenzimmer – Partnerbetrieb“. Daniela Born-Schulze, Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV), die durch das Programm führte, dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz und appellierte an Landwirte sowie an Schulen, sich auch künftig im Rahmen von „Bauernhof als Klassenzimmer“ zu engagieren.
hbv
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