05.07.2017

Artenvielfalt erhöhen – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Hessischer Bauernverband geht mit gutem Beispiel voran

Blühstreifen am Haus der hessischen Landwirtschaft in Friedrichsdorf
„Unsere Landwirte sind sich ihrer Verantwortung in Bezug auf die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft sehr wohl bewusst. Aufgrund vieler Einflussfaktoren gehe es nicht an, die Bauern alleine für den Rückgang von Insekten und Vögeln verantwortlich zu machen.“ Das betonte der Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes, Peter Voss-Fels, bei einem Hintergrundgespräch zum Thema „Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen“ am Mittwoch (5. Juli) in Friedrichsdorf.
Bislang gebe es keine verlässlichen Untersuchungsergebnisse, die das Insektensterben präzise und wissenschaftlich fundiert beschrieben. Die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen sei immer mit einem Eingriff in die Natur und Landschaft verbunden. Dabei gehe es darum, Lebensmittel zu produzieren und die von der Gesellschaft gewünschten Qualitätsstandards zu erfüllen. „Unsere Landwirte wirtschaften nachhaltig, das heißt sie berücksichtigen bei ihrer Arbeit Ökonomie, Ökologie und soziale Aspekte“, so Voss-Fels. Er führte eine ganze Reihe von Einflussfaktoren an, die neben der Landwirtschaft die Artenvielfalt beeinträchtigen, wie zum Beispiel den Landschaftsverbrauch, Flächenverluste durch Versiegelung, Zersiedelung, die Zunahme von Beutegreifern, Klimaveränderungen mit Witterungsextremen sowie nicht zuletzt die Freizeitgesellschaft und ein rasant gestiegenes Verkehrsaufkommen.
Auch Gemeinden und Städte sind gefordert
Voss-Fels bezeichnete es als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Artenvielfalt zu erhöhen. Auch Gemeinden und Städte könnten einen Beitrag dazu leisten, indem vermehrt Blühflächen anstatt monotone Rasenflächen angelegt werden. Das gleiche gelte für Gartenbesitzer. Im Handel stünden geeignete Saatmischungen für die Anlage von Blühflächen zur Verfügung. Auf Terrassen und Balkonen sollten blühende Pflanzen nicht fehlen.
Der Hessische Bauernverband gehe mit gutem Beispiel voran. Auf dem Grundstück der Landesgeschäftsstelle in Friedrichsdorf wurde ein Blühstreifen angelegt, ein zweiter ist in Vorbereitung, um auch Passanten und der Bevölkerung vor Ort den Nutzen solcher Flächen für die Artenvielfalt zu verdeutlichen.
„Die Tatsache, dass mehr als 110 Landwirte in diesem Frühjahr hessenweit über 350 Blühstreifen angelegt haben, zeigt, dass unsere Landwirte sich um die Verbesserung der Artenvielfalt kümmern“, hob Voss-Fels hervor. Die gemeinsame Initiative des Hessischen Ministeriums für Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, des Landesverbandes Hessischer Imker und des Hessischen Bauernverbandes, eingebunden in die Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“, sei sehr gut angelaufen und werde in den kommenden Jahren fortgeführt.
Zahlreiche Insekten, wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, kann man im Blühstreifen beobachten

Blühstreifen erhöhen die Biodiversität in der Agrarlandschaft
Blühstreifen eignen sich hervorragend, um die Biodiversität in der Agrarlandschaft zu erhöhen. Die von den hessischen Bauern im Rahmen dieser Gemeinschaftsinitiative verwendeten Saatgutmischungen enthalten den Samen folgender Pflanzenarten:
Sonnenblume, Saat-Lein, Saatwicke, Ringelblume, Phacelia, Weißklee, Esparsette, Fenchel, Koriander, Inkarnatklee und Persischer Klee.
Nachdem der Raps Ende Mai verblüht ist, bieten diese Pflanzenarten zahlreichen Insekten, zum Beispiel Honig- und Wildbienen, eine gute Nahrungsquelle im Sommer und im Spätsommer. Darüber hinaus ermöglichen die Blühstreifen vielen Wildtieren Brut- und Deckungsräume. Nicht zuletzt werden Nützlinge, wie Marienkäfer, Spinnen, Regenwürmer, Schwebfliegen und Laufkäfer gefördert.

hbv