21.07.2017

Wintergerste weitgehend abgeerntet
Erntepressegespräch des Hessischen Bauernverbandes in Friedrichsdorf

v.l.n.r.: Marianne und Heinz Reinhardt, Landwirte aus Burgholzhausen, Georg Kopp, Vorsitzender des KBV Hochtaunus, und Präsident Karsten Schmal
„Etwa 90 Prozent der hessischen Wintergerstenfelder sind abgeerntet. Mit einer Anbaufläche von 66.000 Hektar ist ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr festzustellen. Je nach Bodenqualität und Niederschlagsmenge schwanken die Erträge zwischen 6 und 8 Tonnen je Hektar und liegen leicht unter dem Fünfjahresmittel.“ Das sagte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, beim gestrigen Erntepressegespräch auf dem Reinhardtshof in Friedrichsdorf-Burgholzhausen. Bei der Sommergerste, deren Fläche auf 17.700 Hektar ausgedehnt wurde, seien etwa ein Drittel der Bestände gedroschen.
Vor dem Hintergrund fehlender Winterniederschläge habe die Wintergerste bessere Ergebnisse gebracht als zunächst erwartet. In Südhessen und dem Rhein-Main-Gebiet seien bis dato lediglich 250 Milliliter Regen gefallen, damit fehlten im Vergleich zum langjährigen Mittel 25 Prozent des Niederschlags. Insgesamt seien die Niederschläge in den letzten Monaten sehr ungleichmäßig über das Land verteilt gewesen. Der geringste Niederschlag wurde in Wabern mit bislang 190 Millimeter gemessen. Im Mai, Juni und Anfang Juli folgten auf heiße Sommertemperaturen schwere Gewitter. Hagel und Starkregen, zum Teil in Verbindung mit Sturmböen, führten in Getreide, Raps, Mais, Kartoffeln sowie in Obst und Gemüse in einzelnen Gemarkungen zu schweren Schäden. Vielerorts ging das Getreide ins Lager. Hauptsächlich betroffen waren die Räume Kassel, Marburg, Gießen, Frankfurt und die Wetterau. Nach Angaben der Vereinigte Hagelversicherung haben in Hessen rund 600 landwirtschaftliche Betriebe Schäden gemeldet mit einer Fläche von 15.000 Hektar.
 
Winterweizen wurde zum Teil notreif
Schmal wies darauf hin, dass jetzt die Ernte des Winterweizens anstehe. Deshalb wünschten sich die Bauern sonniges und trockenes Wetter, um die mit Abstand wichtigste Getreideart in Hessen gut einzubringen. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Anbaufläche auf 164.000 Hektar um rund 3 Prozent erweitert worden.
Die Hitzewellen um den 20. Juni und Anfang Juli mit Temperaturen über 30 Grad Celsius haben dazu geführt, dass die Weizenbestände bedingt durch die Trockenheit in manchen Gebieten notreif geworden sind. Dadurch ist die Kornfüllungsphase verkürzt, was sich voraussichtlich im Ertrag bemerkbar machen wird. In Abhängigkeit von der Niederschlagsverteilung und den Bodenverhältnissen differieren die Ertragserwartungen beim Winterweizen. Bei den bisher gedroschenen Beständen auf eher schwächeren Standorten lagen die Erträge etwa 5 bis 10 Prozent unter dem Mittel der letzten fünf Jahre.
 
Lückige Bestände beim Winterraps
Winterraps hat mit einer Fläche von rund 61.000 Hektar auch in Hessen eine große Bedeutung als Ölfrucht. Er liefert nicht nur ein hochwertiges Speiseöl und Biokraftstoffe, sondern mit Rapsschrot auch ein bewährtes Eiweißfutter für Rinder und Schweine. Der Winterraps hat schon unter den schwierigen Aussaatbedingungen  in der zweiten Augusthälfte und im September letzten Jahres gelitten, es war viel zu trocken. Nach den fehlenden Winterniederschlägen kamen im Frühjahr Frost mit Auswinterungsschäden, Kälte und Trockenheit zusammen. Lückige Bestände, die insbesondere in Süd- und Nordhessen auftraten, waren die Folge.
„Winterraps wurde bislang nur ganz vereinzelt gedroschen. Auch bei dieser Frucht ist von stark schwankenden Erträgen zwischen 2,5 und 5 Tonnen je Hektar auszugehen. Wir rechnen damit, dass das Fünfjahresmittel von 3,8 Tonnen je Hektar um etwa 10 Prozent unterschritten wird“, so Präsident Schmal. Für Roggen, Triticale und Hafer lägen noch keine Ernteergebnisse vor.

Optimale Bedingungen für die Heuernte
Aufgrund der vielen Sonnenscheinstunden und dem trockenen Wetter im Juni und Anfang Juli erfolgte die Heuernte unter optimalen Bedingungen. Schwieriger war es dagegen bei der Silagebereitung. Für den ersten Schnitt im Mai gab es nur ein kleines Zeitfenster. Wer das verpasste, musste Abstriche bei der Qualität und einen späteren zweiten Schnitt hinnehmen. Insgesamt war der Grünlandaufwuchs nach dem trockenen Frühjahr viel geringer als im niederschlagsreichen Vorjahr.
 
Kartoffeln, Zuckerrüben und Silomais gut entwickelt
Kartoffeln und Zuckerrüben haben die Kälte und einige Frostnächte gut überstanden. Dort, wo zur rechten Zeit Regen fiel, haben sich die Bestände, laut Schmal, gut entwickelt. Die Ertragserwartungen sind entsprechend hoch. Aufgrund der kühlen Temperaturen im Mai nach der Aussaat sei der Mais nicht so richtig in die Gänge gekommen. Zwischenzeitlich hätten die Maispflanzen an den meisten Standorten im Wachstum entscheidend aufgeholt.