30.05.2017

HBV fordert klares Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft
Generalsekretär Peter Voss-Fels schreibt an Misereor


In der aktuellen Ausgabe des Misereor-Magazins „frings.“ wird in einigen Beiträgen die moderne Landwirtschaft zu Unrecht kritisiert. Dies hat den Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Peter Voss-Fels, veranlasst, sich in einem Brief an den Hauptgeschäftsführer von Misereor, Pirmin Spiegel, zu wenden. Dieser hatte in seinem Vorwort zu einer Debatte um gesunde und faire Ernährung aufgerufen.

In dem Magazin heißt es, dass Deutschland von fast allen tierischen Produkten mehr produziert als es selbst verbraucht. Das ließe sich ändern, wenn Deutschland weniger Schweine hielte, diese dafür aber artgerecht. Äcker sollen nicht für die Erzeugung von Biogas, sondern allein für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden. „Mit diesen nach Greenpeace-Angaben gestützten Behauptungen werden unsere Bauernfamilien unter anderem dazu aufgefordert, ihre Schweinebestände zu verringern. Tatsache ist, dass das Wohlbefinden der Tiere nicht von der Bestandsgröße, sondern vom Verantwortungsbewusstsein und dem Know-how des Tierhalters abhängig ist“, stellt Voss-Fels klar. Außerdem treffe der dargestellte Zusammenhang auf die hessische Landwirtschaft nicht zu. Nach wie vor würden von fünf in Hessen verzehrten Schweinen nur zwei in Hessen produziert. In einer freien Marktwirtschaft sollten die Unternehmen selbst entscheiden, wie viele Tiere sie halten. Dass das Tierwohl dabei einen sehr hohen Stellenwert habe, stehe außer Frage. Die Landwirte hätten ein ureigenes Interesse daran, dass es ihren Tieren gut gehe. Dabei dürfe die Wirtschaftlichkeit nicht außer acht gelassen werden. Wer hohe Standards fordere, müsse auch bereit sein, die damit verbundenen höheren Kosten zu übernehmen. Dieser Zusammenhang müsste in der Debatte um mehr Tierwohl stärker herausgestellt werden.
 
In Bezug auf die Biogaserzeugung merkte Generalsekretär Voss-Fels an, dass auf deutschen Äckern in erster Linie Nahrungsmittel produziert werden. Mit einem Anteil von cirka 12 Prozent an der Ackerfläche seien Energiepflanzen zur Gewinnung von Biogas nachranging. Sollte es Nahrungsmittelengpässe geben, wovon wir in Europa weit entfernt sind, könnte die jeweilige Fläche kurzfristig wieder zur Produktion von Lebensmitteln genutzt werden. Derzeit leiste die Landwirtschaft mit dem Anbau von nachwachsenden Rohstoffen einen großen Beitrag zur Kohlendioxid-Reduzierung und zum Klimaschutz.

Des Weiteren wurden in dem Magazin die Risiken und Nebenwirkungen von Pflanzenschutzmitteln in einer Infografik besonders hervorgehoben. „Dies ist unverantwortliche Panikmache. Denn es wird verschwiegen, dass der Nachweis von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen in Lebensmitteln allein keine Gesundheitsgefährdung bedeutet“, so Voss-Fels. Staatliche Kontrollen attestierten Lebensmitteln aus deutscher Herkunft eine sehr gute Qualität. Mit den heutigen Analyseverfahren könnten in fast jedem Produkt Rückstände gefunden werden. Solange diese unter der zulässigen Höchstmenge lägen, bestehe kein Risiko für Mensch und Tier. Im Übrigen setzen Landwirte Pflanzenschutzmittel ein, Erträge und Qualitäten zu sichern.

„Ernährung – gutes Essen für alle! Mit diesen Worten ist ein weiteres Kapitel überschrieben. Genau dies sei der Anspruch und das Ziel unserer Bauernfamilien, möglichst viele Lebensmittel zu produzieren, damit alle satt werden“, hob Voss-Fels hervor. Fakt sei, dass die pro Kopf der Bevölkerung weltweit zur Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehende Fläche weiter sinken werde. Deshalb müsse die verfügbare Fläche intensiver genutzt werden, und zwar nachhaltig ressourcenschonend. „Damit dies gelingt, brauchen wir verlässliche, auf wissenschaftlichen Ergebnissen basierende, politische Rahmenbedingungen“, betont Voss-Fels. Die Landwirtschaft entwickele sich weiter und sei unter Berücksichtigung der Anforderungen von Verbrauchern und Gesellschaft zur Veränderung bereit. Die Bauernfamilien erwarteten von der Politik, aber auch von den Kirchen, ein klares Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft.