Klimaschutz und Rinderhaltung

 
In der Klimadiskussion sieht sich das Rindvieh immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, mit den Methanemissionen bei seinen Rülpsern kräftig zur Erderwärmung beizutragen.
 
In der Tat entstehen bei der Vergärung der pflanzlichen Nahrung im Pansen der Kuh beträchtliche Mengen an klimaschädlichem Methan. Doch der Anteil des Rindviehs am Klimawandel sollte realistisch eingeschätzt und die Tierhaltung nicht zu Unrecht in Bausch und Bogen verurteilt werden. Die FAO hat berechnet, dass der Milchsektor für vier Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich ist. Das sind rund 1.969 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. In diesen Zahlen ist der gesamte Ausstoß der Produktion, der Verarbeitung und des Transports der Milch und des Fleisches eingeschlossen. Rund 1.328 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent entfallen auf die Milchproduktion, das sind weltweit rund 2,7 Prozent. Methan trägt mit 52 Prozent am meisten zu den Treibhausgas-Emissionen bei, gefolgt von Lachgas (N2O) mit 27 Prozent in Entwicklungsländern und 38 Prozent in Industrieländern.
 
Bei der Herstellung von einem Kilogramm Milch werden nach dem Bericht im weltweiten Schnitt 2,4 kg CO2-Äquivalent freigesetzt. Allerdings wird je nach Haltungsform und Weltregion unterschiedlich viel CO2-Äquivalent freigesetzt. Während die Menge in Europa und Nordamerika 1,5 kg CO2-Äquivalent oder weniger beträgt, sind es in Zentral- und Südamerika gut 3 kg und Zentral- und Südafrika mehr als 7 kg CO2-Äquivalent. Im Mittel entstehen bei Weidehaltung laut Erkenntnissen der FAO mehr Treibhausgasemissionen als wenn die Tiere vor allem im Stall gehalten werden. Die Behörde in Rom beziffert den Klimagasausstoß bei Weidesystemen im Schnitt auf 2,72 kg CO2-Äquivalent, in gemischten Haltungssystemen hingegen nur auf 1,78 kg CO2-Äquivalent.
 
Aus der deutschen Rinderhaltung stammen nur 0,08 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Dabei setzen die Rinder mit ihrer Atmung nur soviel Kohlendioxid wieder frei, wie die von ihnen gefressenen Pflanzen zuvor aus der Atmosphäre aufgenommen haben, aber kein Gramm zusätzlich, das die Atmosphäre belastet. 
 
Etwas stärker ist der Effekt der Methanemissionen aus der Verdauung der Wiederkäuer. In weit größerem Umfang wird Methan jedoch unter anderem aus Feuchtgebieten und Mooren sowie von Termiten in abgeholzten Tropenwäldern, durch Reisanbau, Kohlegruben, Mülldeponien und Ozeane freigesetzt
 
Je mehr Milch die Kuh gibt, umso geringer wird der pro Liter anzurechnende Anteil des so genannten Erhaltungsbedarfs, um umso besser fällt damit die Methanbilanz aus. Laut Berechnungen der Forscher würde eine extensiv gehaltene Kuh mit einer Milchleistung von 4.000 l pro Jahr eine Methanmenge von 123 kg in die Umwelt rülpsen. Bei einer Leistung von 10.000 l, also 150 Prozent mehr, würde die Methanmenge aber lediglich um 18 Prozent auf 145 kg steigen! Leistungssteigerungen durch Verbesserungen in Zucht und Haltung können damit einen kleinen Beitrag zur Verringerung des Treibhauseffekts leisten: Je höher die Leistung, desto besser fürs Klima. Der Umwelt zuliebe brauchen wir also mehr Kühe mit einer höheren Leistung!

(Quelle: FAO, FNL, Journal of Dairy Science)