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Podium anlässlich der Eröffnung der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen am 30.01.2012 in Gernsheim Foto: Bernd Weber |
Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider, erinnerte in seinem gestrigen Grußwort zur Eröffnung der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen in Gernsheim vor rund 350 Besuchern an den Beginn der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik vor 50 Jahren. Mit einer relativen Stabilität im Agrarsektor habe diese Politik den Bauern schon etwas gebracht. „Ich blicke aber nicht mit Sehnsucht auf die Zeit zurück“, so Schneider. Denn sie habe die Bauern in ein Korsett von staatlichen Zahlungselementen gepresst, aus denen der einzelne unternehmerisch denkende Landwirt nicht so ohne Weiteres herausbrechen konnte. „Ich verstehe uns Bauern heute mehr denn je als Unternehmer im ländlichen Raum.“ In den derzeitigen Vorschlägen der EU-Kommission zur Fortführung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik sieht Präsident Schneider noch einen erheblichen Nachbesserungsbedarf. Es fehle der Blick auf die Steigerung der Wertschöpfung. Die angedachte „Stilllegung“von sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche bezeichnete Schneider als Zwangsökologisierung. Hinzu komme der Verlust von vielen Flächen durch Infrastrukturmaßnahmen und Ausgleichsflächen, die sich in Hessen auf mehr als vier Hektar pro Tag summierten.
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Gut besuchte Eröffnungsveranstaltung der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen am 30.01.2012 in Gernsheim Foto: Bernd Weber |
Dr. Willi Billau, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaftliche Woche Südhessen, ging in seiner Begrüßungsansprache unter anderem auf die EHEC-Krise des vergangenen Jahres ein, in der die Gemüsebauern viel Geld verloren hätten. Er plädierte für die Einführung einer Mehrgefahrenversicherung und kritisierte ebenfalls den enormen Verlust an Landwirtschaftsflächen, den er mit 1,5 Hektar pro Tag in Starkenburg bezifferte. „Wir stehen bei der Sicherung der Welternährung vor gewaltigen Herausforderungen und müssen zugleich einen wachsenden Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen decken. Eine reine Stilllegung von Flächen, wie von der EU-Kommission gefordert, macht da keinen Sinn“, betonte Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, in seiner Rede. Er hob die Schlüsselrolle des Agrarsektors im Kampf gegen den Hunger und bei der dezentralen und klimafreundlichen Energieversorgung hervor. Der ländliche Raum könne mit einer innovativen und nachhaltigen Landwirtschaft einen unverzichtbaren Beitrag zur Ernährungssicherung und zur Erzeugung von Energiebiomasse leisten. „Die Erzeugung von Grundnahrungsmitteln ist und bleibt aber die wichtigste Aufgabe unserer Landwirtschaft. Hierzu schafft die Politik Rahmenbedingungen, die zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und Entwicklung führen“, so Peter Bleser. „2012 wird für die Landwirtschaft ein Jahr der Weichenstellung“, sagte HMUELV-Staatssekretär Mark Weinmeister. Die Europäische Kommission habe mit ihren Verordnungsvorschlägen zur GAP nach 2013 keine zufriedenstellende Antwort auf die Fragestellungen der Zukunft gegeben. „Wir fürchten, dass ein Direktzahlungssystem, das nicht nur Einkommen sichern, sondern künftig zusätzlich hochgesteckte Umwelt-, Struktur- und sozialpolitische Ziele erfüllen soll, schlichtweg überfordert wird. Es könnten bis zu sechs verschiedene Zahlungskomponenten entstehen“, betonte Mark Weinmeister. So entstehe ein bürokratisches Monster, das keine Verwaltung mehr vernünftig steuern könne.
hbv