31.08.2017

Stelldichein der Agrarwirtschaft im Hessischen Landtag

„Der alle zwei Jahre stattfindende Abend der Agrarwirtschaft im Hessischen Landtag ist mittlerweile zu einer guten Tradition geworden. Wir sind froh darüber, dass wir diesen Parlamentarischen Abend regelmäßig im Hessischen Landtag, dem Ort, an dem für unsere Landwirtschaft wichtige politische Entscheidungen getroffen werden, veranstalten dürfen.“ Mit diesen Worten begrüßte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, gestern Abend viele Gäste aus Politik, Agrarwirtschaft, Beratung und Verwaltung sowie den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen.

Das vom Hessischen Statistischen Landesamt kürzlich bekanntgegebene Ergebnis der Mähdruschernte 2017 in Hessen sei besser ausgefallen als erwartet. Insgesamt wurden in unserem Bundesland 2,067 Millionen Tonnen Getreide geerntet. Damit wurde das schlechte Vorjahresergebnis um fünf Prozent und der Durchschnitt der letzten Jahre um knapp ein Prozent übertroffen. Nach dem ausgesprochen trockenen Winter und dem damit verbundenen Niederschlagsdefizit zu Vegetationsbeginn überraschten diese Zahlen. Beim Raps, unserer wichtigsten Ölpflanze, lägen die Hektarerträge allerdings mehr als sechs Prozent unter dem Vorjahr. Die unbeständige Witterung im Juli und August hätten die Bauern auf eine Geduldsprobe gestellt. Immer wieder mussten die Erntearbeiten unterbrochen werden. Spätfröste im April hätten die Blüten von Kirschen, Erdbeeren und Äpfeln empfindlich geschädigt. In frostgefährdeten Lagen habe es Ertragsminderungen von mehr als 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen gegeben. Kartoffeln, Zuckerrüben und der Silomais profitierten von den häufigen Regenfällen. Die Ertragserwartungen seien entsprechend gut.

Moderne Landwirtschaft ist umweltverträglich

„In Bezug auf die offensichtlich sinkende Artenvielfalt wird die moderne Landwirtschaft immer wieder pauschal an den Pranger gestellt. Ohne dass wissenschaftlich abgesicherte Ergebnisse vorliegen, haben einige Natur- und Umweltschutzorganisationen die intensive Landwirtschaft längst als Hauptverursacher für den Rückgang der Biodiversität ausgemacht“, betonte Präsident Schmal. Daraus eine neue Ausrichtung der Agrarpolitik abzuleiten, gehe entschieden zu weit. Denn die moderne Landwirtschaft sei in den letzten Jahrzehnten durch den Einsatz neuer Technologie nachweislich umwelt- und naturverträglicher geworden. Für den Rückgang verschiedener Insekten- und Vogelpopulationen seien viele Faktoren verantwortlich. An erster Stelle die zunehmende Versiegelung von Flächen und damit der unwiederbringliche Verlust von Lebensräumen. In diesem Frühjahr seien die Insekten auch durch die extremen Spätfröste dezimiert worden. Darüber hinaus habe das Freizeitverhalten unserer Gesellschaft, Jogger, Radfahrer und zum Beispiel Fußgänger mit Hunden in den Feldgemarkungen negative Auswirkungen. Das gleiche gelte für die Begleiterscheinungen des ausufernden Straßenverkehrs. Unabhängig davon würden die hessischen Landwirte ihren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür sei die Initiative „Bienenfreundliches Hessen“, die das Hessische Landwirtschaftsministerium und der Landesverband hessischer Imker gemeinsam mit dem Hessischen Bauernverband auf den Weg gebracht haben.
„Bei allen die Landwirtschaft betreffenden gesetzlichen Regelungen muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die jeweiligen Maßnahmen praktikabel sind, ökonomisch tragfähig und die Betriebe nicht überfordern. Alles andere wäre kontraproduktiv, würde dazu führen, dass wir Marktanteile verlieren und die Produktion ins Ausland verlagert wird“, so Schmal. Daran könne niemand ein Interesse haben, schon gar nicht die Verbraucher. Denn die wüssten mittlerweile, welche Vorteile unsere hohen Verbraucher-, Tierschutz- und Umweltstandards bieten. Deshalb würden unsere hochwertigen frischen Produkte aus der Region verstärkt nachgefragt. „Mit der Qualitätsmarke „Geprüfte Qualität Hessen“ und dem Landmarkt-Konzept sind wir auf einem guten Weg, den es auszubauen gilt. Um den Verbraucherwünschen und den Belangen unserer Betriebe gerecht zu werden, brauchen wir verlässliche und wissenschaftsbasierte agrarpolitische Rahmenbedingungen“, appellierte Schmal an die zahlreich erschienenen Parlamentarier.
 
Bauern sind das Herzstück des ländlichen Raums

„Wir sind aus Überzeugung hier, auch aus Verbundenheit und Freundschaft, um wichtige Themen mit Ihnen zu besprechen“, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier in seinem Grußwort. Er betonte, dass der ausufernde Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen, der vor einigen Jahren noch bei fünf Hektar pro Tag gelegen habe, deutlich verringert worden sei. Mit dem Hinweis „das gibt es in keinem anderen Bundesland“ lobte der Ministerpräsident den zwischen der Landesregierung und vielen Landwirtschaftsverbänden abgeschlossenen „Zukunftspakt hessische Landwirtschaft“. In diesem Zusammenhang sei es auch gelungen, die zum Teil aufgeladene Debatte um Ökolandbau oder konventionelle Landwirtschaft zu versachlichen. „Ohne den ländlichen Raum wird der Ballungsraum nicht so stark sein und umgekehrt. Sie sind das Herzstück des ländlichen Raums und unverzichtbar“, hob Bouffier hervor.

Im Rahmen der Veranstaltung überreichte der Vorstand der Hessischen Landjugend Erntekronen an Landtagspräsident Norbert Kartmann und Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz.