24.11.2017

Große Erwartungen an die künftige Regierungskoalition
Vertreterversammlung des Hessischen Bauernverbandes in Eschborn

„Da auf EU- und nationaler Ebene in den nächsten Wochen und Monaten wichtige, auch die Landwirtschaft betreffende Entscheidungen anstehen, brauchen wir in Deutschland eine starke politische Führung. Das heißt, eine Bundesregierung, die Kurs hält und auch landwirtschaftliche Belange auf EU-Ebene konsequent vertritt.“ Das sagte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, auf der Vertreterversammlung seines Verbandes am Freitag (24.11.) in Eschborn. Es könne nicht sein, dass sich Deutschland als führende Wirtschaftsnation und bedeutendes Agrarland in Europa bei wichtigen Abstimmungen, wie zum Beispiel bei der Wiederzulassung von Glyphosat, der Stimme enthalte. Die Bauernfamilien hätten große Erwartungen an die künftige Regierungskoalition, wohlwissend, dass sie auch zu Veränderungen bereit sein müssten.

Überzogene, kostentreibende Auflagen vermeiden

Ganz oben auf der Agenda stehe die finanzielle Absicherung des bewährten Zwei-Säulen-Modells auch in der künftigen Europäischen Agrarpolitik. „In Deutschland kommt es darauf an, überzogene, Produktionskosten treibende Auflagen im Ackerbau und in der Tierhaltung zu vermeiden. Denn diese gefährden die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe, beschleunigen den Strukturwandel und führen dazu, dass die Produktion ins Ausland abwandert. Das schadet dem Agrarstandort Deutschland“, so Schmal. Er forderte ein Landwirtschaftsressort, das seine Entscheidungen ideologiefrei, auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt und die Leistungen der Bauern für die Gesellschaft anerkennt.

D
er Bauernpräsident verwies auf eine aktuelle wissenschaftliche Studie, wonach hohe Standards und Auflagen deutsche Landwirte 5,2 Milliarden Euro pro Jahr kosteten. Mehrkosten und Mindererlöse deutscher Landwirte entstehen demnach durch europäische und deutsche Umweltstandards und zusätzliche Auflagen.

Die Mehrkosten belaufen sich auf rund 315 Euro pro Hektar. „Wir stehen ohne Wenn und Aber zu den hohen Umwelt-, Klima- und Tierschutzstandards. Allerdings dürfen die damit verbundenen Kosten nicht allein den Bauern aufgebürdet werden“, betonte Schmal. Denn die Landwirte arbeiteten in offenen und zunehmend globalisierten Märkten und müssten sich gegenüber ihren Berufskollegen in anderen Ländern behaupten.

Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen

Die vielfach geäußerte pauschale Kritik, die Landwirtschaft sei Hauptverursacher des „Insektensterbens“ wies Schmal als nicht gerechtfertigt zurück. Die Ursachen seien vielfältig, große Auswirkungen habe sicherlich auch die zunehmende Flächenversiegelung. Es sei ein gesamtgesellschaftliches Problem. „Die Initiative Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen, die der Hessische Bauernverband gemeinsam mit dem Landesverband Hessischer Imker und dem Hessischen Landwirtschaftsministerium auf den Weg gebracht hat, ist eine Antwort auf den Rückgang der Artenvielfalt“, hob Schmal hervor. Es sei erfreulich, dass auf Anhieb mehr als 110 Landwirte in diesem Frühjahr hessenweit über 350 Blühstreifen angelegt hätten, um Bienen und anderen Insekten nach der Blüte des Rapses über den Sommer hinweg Nahrung zu bieten. Er appellierte an Gartenbesitzer und Kommunen, diesem Beispiel zu folgen und ebenfalls einen Beitrag zur Verbesserung der Biodiversität zu leisten.

Hoher Siedlungsdruck bedroht Landwirtschaft

Durch den zunehmenden Bevölkerungs- und Siedlungsdruck im Rhein-Main-Gebiet, der sich besonders in dem geplanten 500 Hektar umfassenden Baugebiet der Stadt Frankfurt beidseits der Autobahn A5 im Nordwesten des Stadtgebiets äußert, sind Landwirte in hohem Maße betroffen und in ihrer Existenz bedroht. Die Menschen, die künftig dort wohnen sollen, müssten enger zusammenrücken. Ansonsten werde es im Umfeld von Frankfurt bald keine Landwirtschaft mehr geben. Das bedeutet dann aber auch das Aus für die regionale Versorgung mit Lebensmitteln, stellte Präsident Schmal klar.