22.12.2017

Innehalten und Kraft schöpfen
Weihnachtsgrüße von HBV-Präsident Karsten Schmal

Allen Mitgliedern und Ihren Familien wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute im neuen Jahr
© A.Peter, Pixelio.de
Liebe Bäuerinnen und Bauern,
liebe Landjugend, meine sehr
geehrten Damen und Herren,
 
wir blicken auf ein schwieriges Jahr zurück. Gründe sind Witterungsextreme, die zunehmende Bürokratie und Auflagen nach der Novellierung der Düngeverordnung sowie nicht enden wollende Diskussionen über die Zulassung von Glyphosat und über das Insektensterben.
Schwierig gestaltet sich auch die Bildung einer neuen Bundesregierung. Ob es zu einer Neuauflage der großen Koalition kommt, ist noch nicht sicher. Jedenfalls brauchen wir eine starke Regierung, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und praxisgerechten Maßgaben entscheidet und Ideologie beiseite­lässt. Besonders wünschen wir uns das Vertrauen von Politik und Gesellschaft, das wir als Erzeuger von gesunden Lebensmitteln verdienen, und keine Verdächtigungen und Diffamierungen.
Leichte Erholung bei den Einkommen
Im Wirtschaftsjahr 2016/17 konnten sich viele Betriebe nach zwei Krisenjahren, vor allem Milchvieh- und Schweinehalter, über deutlich gestiegene Einkommen freuen. Allerdings sind wir von dem Gewinnniveau der Jahre vor 2015 weit entfernt. In den Ackerbaubetrieben stagnieren die Betriebsergebnisse dagegen aufgrund der zu geringen Getreidepreise. Das Ende der Zuckerrübenquote und die diesjährige Rekordernte bei Zuckerrüben haben auch hier Preissenkungen zur Folge.
Wie bei den meisten landwirtschaftlichen Erzeugnissen werden sich durch die Einflüsse der internationalen Agrarmärkte größere Preisschwankungen nicht vermeiden lassen. Im Milchsektor ist die EU gefordert, die wenigen noch vorhanden Instrumente, wie zum Beispiel die öffentliche Intervention von Milchprodukten und die private Lagerhaltung, beizubehalten, um Preisvolatilitäten zu verringern und Marktkrisen entgegenzuwirken. Molkereien und Milcherzeuger müssen sich aufeinander zubewegen und durch Preisabsicherungsmodelle sowie eine verbindlichere Abstimmung von Anlieferungsmengen, Preisschwankungen abmildern.
Fakten werden ausgeblendet
Obwohl Glyphosat auf EU-Ebene jetzt für weitere fünf Jahre zugelassen wurde, müssen wir damit rechnen, dass es in Deutschland politisch bedingte Anwendungsbeschränkungen geben wird. Das ist ein untragbarer Zustand. Wenn die zuständigen Behörden die Unbedenklichkeit eines Wirkstoffs attestieren, dann muss dieser wieder eine Zulassung bekommen und diese darf politisch nicht beschnitten werden. Leider werden hierzulande Fakten meist ausgeblendet und stattdessen Ängste geschürt.
Eine Langzeitstudie des Krefelder Entomologenvereins über das Insektensterben in Deutschland hat in diesem Jahr für Schlagzeilen gesorgt.  Die Rückgänge der Insekten waren allerdings allein mit Lebensraumzerstörung, Klimawandel oder Landnutzungsänderungen mit den Daten nicht zu erklären. Deshalb hat die vielfach geäußerte pauschale Kritik, die moderne Landwirtschaft sei Hauptverursacher des Insektensterbens, keine Grundlage. Die Landbewirtschaftung, bei der es darum geht, Lebensmittel zu erzeugen, hat immer Auswirkungen auf Natur und Umwelt. Darüber sollten sich alle im Klaren sein. Und um die vorgegebenen Qualitätsstandards zu erfüllen, sind gezielte Pflanzenschutz- und Düngungsmaßnahmen unerlässlich. Auf der anderen Seite  dürfen wir den Rückgang der Insektenpopulation aber nicht verharmlosen. Es ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem.
Wir Bauern tun etwas für die Artenvielfalt
Wir Bauern tun etwas und leisten unseren Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt. Die Initiative „Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen“, die wir gemeinsam mit dem Landesverband hessischer Imker und dem hessischen Landwirtschaftsministerium auf den Weg gebracht haben, ist eine Antwort auf den Rückgang der Artenvielfalt, der natürlich verschiedene Ursachen hat. Die Medienresonanz auf diese, auch von unseren Kreis- und Regionalbauernverbänden hervorragend unterstützte Aktion war vor allen im den Lokalzeitungen sehr gut. Daran wollen wir im kommenden Jahr anknüpfen und noch besser werden.
Eine nicht wegzudiskutierende Ursache des Verlustes an Biodiversität ist die unwiederbringliche Versiegelung landwirtschaftlicher Flächen durch Asphalt und Beton. Aufgrund des großen Bevölkerungsdrucks, besonders im Rhein-Main-Gebiet, wird uns dieses Thema dort zunehmend beschäftigen. Der von der Stadt Frankfurt geplante neue Stadtteil wird die betroffenen Landwirte in ihrer Existenz, aber auch die regionale Versorgung mit Lebensmitteln gefährden.
Was unsere Bauernfamilien zu Recht immer wieder schockiert, das sind Stalleinbrüche und daraus resultierende schlimme Fernsehbilder. Der kürzlich betroffene Schweinehalter aus Nordhessen ist sofort in die Offensive gegangen und hat Medienvertreter auf seinen Hof eingeladen, um ihnen zu zeigen, dass es seinen Tieren gut geht und er sich intensiv um deren Wohlbefinden kümmert. Diese Reaktion war vorbildlich. Es bleibt aber unerträglich, dass Stalleinbrecher bei uns nicht bestraft werden, und es ist ein Skandal, dass illegal erstelltes Filmmaterial insbesondere im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wird.
Sehr erfreulich ist der gute Zuspruch der Initiative Tierwohl. Für die neue Förderperiode 2018 bis 2020 ist die Zahl der teilnehmenden Schweinehalter um rund 70 Prozent  gestiegen. Der Lebensmitteleinzelhandel hat durch die Aufstockung der Finanzmittel die deutliche Steigerung der Teilnehmerzahl ermöglicht. Künftig stehen pro Jahr rund 130 Mio. Euro, anstatt der bisherigen 85 Mio. Euro, zur Verfügung.
Junge Menschen engagieren sich
Auf der Vertreterversammlung des Hessischen Bauernverbandes wurden kürzlich zwei neue Vizepräsidenten in den Vorstand gewählt. Auch in einigen Kreisbauernverbänden haben junge Frauen und Männer den Vorsitz übernommen. Das zeigt, dass sich junge Menschen für den Berufsstand engagieren. Auch bei den Landfrauen und der Landjugend haben wir in Hessen viele Vertreterinnen und Vertreter, die mit anpacken und zu einem sehr positiven Bild der Landwirtschaft nach außen beitragen. Vor diesen Hintergrund sehe ich die Zukunft der hessischen Landwirtschaft positiv.
Allen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitstreitern in den Kreis- und Regionalbauernverbänden, in der Landesgeschäftsstelle in Friedrichsdorf, uns nahestehenden Organisationen und Politikern danke ich ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit. Nutzen Sie Weihnachten und die Tage zum Jahreswechsel, um innezuhalten und Kraft zu schöpfen für die vor uns liegenden Herausforderungen.
Ihnen allen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr mit viel Glück und Gesundheit.
 
Ihr
Karsten Schmal
Präsident des Hessischen Bauernverbandes e.V.