Weihnachtsgrüße von Präsident Friedhelm Schneider
Liebe Bäuerinnen und Bauern,
liebe Landjugendlichen
Das Jahr 2011 wird sicherlich als ein Jahr außergewöhnlicher gesellschaftspolitischer Ereignisse in die Annalen eingehen. Die Atomkatastrophe von Fukushima in der Folge eines verheerenden Seebebens im März dieses Jahres ist das einschneidende Ereignis mit weltweiten Auswirkungen. Bei uns in Deutschland hat dieses Ereignis eine breite Debatte um die weitere Nutzung der Kernenergie ausgelöst. Die politisch Verantwortlichen haben ihre Entscheidungen dazu getroffen, in Hessen mit der Abschaltung des Atomkraftwerkes in Biblis. Schneller und viel konkreter als gedacht kommt der Energiewechsel, der auch in Hessen nicht ohne die regenerative Energie aus der Land-wirtschaft geschafft werden kann. Flächen für den Anbau von Biomasse und Flächen für die Ausweitung von Windkraftanlagen werden benötigt. Ich bin davon überzeugt, dass wir Bauern an dieser Energiewende mitwirken können, ohne unsere vornehmste Auf-gabe, nämlich die Erzeugung von Nahrungsmitteln, einzuschränken. Ich denke, dass alle Akteure auf der politischen Bühne erkannt haben, dass Fläche nicht vermehrbar ist, wir ganz vorsichtig mit unserer wertvollen landwirtschaftlichen Fläche umgehen und sie vor „politischer und gesellschaftlicher “ Überbeanspruchung schützen müssen. Wie groß die Überinanspruchnahme ist, zeigt ganz exemplarisch die „Flächenverbrauchsuhr“ auf unserer Internetseite , die nach wie vor viel zu schnell tickt und uns in Hessen jeden Tag mehr als vier Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche von unserem Flächenkonto unwiderruflich abbucht. Dazu kommen noch die völlig unnötigen sogenannten Ausgleichsmaßnahmen. Es wird der Umgang mit der landwirtschaftlichen Nutzfläche sein, der die politische und agrarwirtschaftliche Diskussion künftig bestimmen wird, gerade angesichts der Prognosen eines stark ansteigenden Bedarfs an Nahrungsmitteln weltweit.
Zwei Schockwellen
Das Leid der Menschen und die Opfer der Katastrophe in Japan will und kann ich nicht relativieren. Aber ich sage, auch über uns Bauern in Deutschland und Hessen ist in diesem Jahr 2011 ein mittleres Erdbeben hereingebrochen, und zwar in zwei Schock-wellen. Die erste Schockwelle hat uns gleich zu Jahresbeginn mit dem Dioxonskandal in Futtermitteln erreicht. Auch in Hessen waren landwirtschaftliche Betriebe betroffen und behördlich gesperrt. Alle Tierhalter sind durch die kriminellen Machenschaften einiger Weniger ganz schnell unter den Generalverdacht als Tiervergifter und Massentierquäler geraten. In der Folge ist eine Diskussion über die Tierhaltung mittels einer politischen Charta und über die baurechtliche Privilegierung von Tierhaltungsanlagen entbrannt, deren gesellschaftliche und politische Breite allerdings nicht mit der eigentlich notwen-digen fachlichen Tiefe einhergeht. Wir Bauern schützen unsere Nutztiere, wir leben mit ihnen, wir leben von ihnen. Nutztierhaltung ist wertvolle Nahrungsmittelproduktion. Nutztierhaltung ist flächenhafte Grünlandnutzung und Grünlandveredelung. Sie ist Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft unserer Mittelgebirgslagen.
Eine weitere Schockwelle ist im Sommer über unsere Gemüsebaubetriebe hereinge-brochen. Ägyptische Bockshornkleesprossen haben den Gemüsemarkt in Europa über Wochen lahmgelegt. Die wirtschaftlichen Folgen sind bis heute nicht beseitigt. Der Respekt vor den Toten und ernsthaft Erkrankten durch die Verkeimung verbietet es, die wirtschaftlichen Folgen für unsere Betriebe dazu in Relation zu stellen. Aber ich meine, dass es nicht verboten sein darf, behördliches Handeln im Hinblick auf seine wirtschaft-lichen Auswirkungen zu hinterfragen. Letztlich hat sich bei mir der Eindruck eingestellt, dass Europa und Deutschland mitsamt seinen zahlreichen Behörden eher als Kompe-tenzverwirrte denn als Kompetenzinhaber gehandelt haben. Eine Änderung der Zuständigkeiten für diese Ernstfälle erscheint mir dringend notwendig. Wir werden uns zudem damit auseinander setzen müssen, wie wir Erzeuger vor erheblichen und existenzbedrohenden Marktrisiken zu schützen sind.
Mit der Abkopplung der Marktordnungen werden zudem die Märkte und damit unsere Produktpreise stärker und heftiger nach oben und nach unten ausschlagen. Strategien, wie die Betriebe vor diesen Ausschlägen, und damit letztlich vor dem Marktrisiko, bestmöglich zu schützen sind, wird eine der großen Aufgaben für uns in Hessen werden.
Positive Signale nicht zu übersehen
Dennoch hat sich in diesem Jahr auch die wirtschaftliche Kraft unserer Landwirtschaft und unserer bäuerlichen Betriebe gezeigt. Bauern in Hessen investieren in ihre Betriebe, verbessern die Arbeitswirtschaft, bauen Ställe. Auf der Agritechnica im November in Hannover waren die Signale nicht zu übersehen, daß auch wir Bauern in Deutschland und in Hessen positiv gestimmt in die Zukunft blicken. Anziehende Preise auf den internationalen Agrarmärkten tragen zu einer Entspannung unserer Einkom-menssituation bei. Allerdings verläuft die Entwicklung noch nicht gleichförmig und stabil genug in den einzelnen Produktbereichen bei Schwein und Rind ist die Einkommenslage weiterhin unbefriedigend.
Die Ausbildungszahlen in den landwirtschaftlichen Berufen sind über die Jahre recht stabil. Mit unserem vorbildlichen Ausbildungssystem in Hessen stellt sich unser Berufsnachwuchs den künftigen Herausforderungen unseres Berufes. Dass unser Nachwuchs es kann, hat er bei dem nationalen Berufswettbewerb dieses Jahres bereits überzeugend gezeigt.
Ich blicke daher nicht unzufrieden auf das Jahr 2011 zurück.
Verlässlicher Vertreter bäuerlicher Interessen
Der Hessische Bauernverband ist und bleibt ein verlässlicher Vertreter der bäuerlichen Interessen in Politik und Gesellschaft. Als Präsident des Hessischen Bauernverbandes suche ich weiterhin das verlässliche und konstruktive Gespräch mit den politisch Verantwortlichen in Hessen und darüber hinaus. Dabei haben wir Erfolge zu verzeichnen und werden in der Politik anerkannt.
Mit Ihrer Unterstützung werde ich zusammen mit meinen Kollegen Armin Müller und Heinrich Heidel, mit unserem Hauptamt im Hessischen Bauernverband und zusammen mit den Kreis- und Regionalverbänden auch im Jahre 2012 für unsere gemeinsame Sache streiten.
Für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit im gesamten Hessischen Bauernverband im Jahr 2011 darf ich mich bei Ihnen ganz herzlich bedanken. Ein ganz besonderer Dank gilt den Landfrauen und unseren befreundeten Organisationen. Unsere schnelllebige Zeit muss uns allen einige Tage Zeit übrig lassen, um Rückschau zu halten und um uns auf das Kommende in Ruhe vorbereiten zu können. Die bevorstehenden Feiertage sollten uns allen dazu Gelegenheit geben.
Ich wünsche Ihnen mit Ihren Familien und Freunden ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, Gesundheit, persönliche Zufriedenheit und Glück im Jahr 2012.
Ihr Friedhelm Schneider
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STOPPT Landfraß
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Energiebedarf der Tränkekälber steigt bei Kälte
In den ersten Lebenswochen steht Tränkekälbern keine oder nur wenig Wärme aus dem Fermentationsprozess im Pansen für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur zur Verfügung. Die Energie zum Erhalt der Körpertemperatur muss daher zusätzlich mit der Nahrung aufgenommen werden, sonst nutzt der Köper seine Reserven, und die sind beim jungen Kalb noch nicht sehr groß.
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