04.08.2017

Wiederholte Regenfälle verzögern Getreideernte
Präsident Schmal: Nerven der Bauern liegen blank

Das Erntepressegespräch fand auf dem Betrieb der Familie Ritter in Bebra-Breitenbach im Landkreis Hersfeld-Rotenburg statt.
„Wiederholt einsetzende heftige Gewitter mit ergiebigen Regenfällen und zum Teil Hagel haben in der letzten Julidekade dazu geführt, dass die Erntearbeiten immer wieder unterbrochen werden mussten. Weil manche Felder total vernässt sind, waren dort Mähdrescher mit Kettenfahrwerken im Einsatz, um die Flächen überhaupt befahren zu können.“ Das betonte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, beim Erntegespräch am Donnerstag (3. August 2017) auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Markus Ritter, in Bebra-Breitenbach, Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Nach neueren Angaben der Vereinigte Hagelversicherung haben in Hessen rund 800 landwirtschaftliche Betriebe Schäden durch Hagel und Starkregen auf einer Fläche von circa 22.000 Hektar gemeldet.
Das Getreide und der Raps seien jetzt überall reif. Da es aber immer wieder regne und die Ernte unterbrochen werden müsse, lägen die Nerven der Bauern blank. „Was wir jetzt dringend brauchen, ist beständiges, trockenes und sonniges Wetter über mehrere Tage hinweg“, so Schmal.

Bis auf vereinzelte Restflächen seien die Wintergerstenfelder vollständig abgeerntet. Bei der Sommergerste seien mehr als die Hälfte der Bestände gedroschen. In Süd- und Nordhessen würden zum Teil Trockenschäden beklagt. Bei durchschnittlichen Erträgen lägen die Eiweißgehalte etwas höher als im Vorjahr.

Mit einer Anbaufläche von 164.000 Hektar nimmt der Winterweizen 56 Prozent der hessischen Getreidefläche von insgesamt 294.000 Hektar ein. Hessenweit sind gerade mal 40 Prozent des Weizens abgeerntet. In den südhessischen Frühdruschgebieten 100 Prozent. In Abhängigkeit von der Niederschlagsverteilung und den Bodenverhältnissen schwanken die Erträge zwischen 7 und 8,5 Tonnen je Hektar sehr stark.

Aufgrund der häufigen Niederschläge leidet auch die Qualität zunehmend. Auch beim Winterraps, der zu etwa 80 Prozent gedroschen ist, differieren die Erträge zwischen 2,5 und 5 Tonnen je Hektar. Sie liegen zwischen 5 und 10 Prozent unter den Vorjahresergebnissen.

Während die Roggenernte mit durchschnittlichen Erträgen weitgehend abgeschlossen ist, steht etwa die Hälfte der Triticalebestände noch auf dem Halm.

Pauschale Kritik belastet

„Die pauschale Kritik an der modernen Landwirtschaft belastet unsere Bauernfamilien in zunehmendem Maße. In Verbindung mit dem Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln werden wir Landwirte oft zu Unrecht an den Pranger gestellt“, sagte Schmal. Vielfach werde der Einsatz der von verschiedenen Behörden intensiv geprüften und zugelassenen Pflanzenschutzmitteln per se abgelehnt. „Dafür fehlt mir jegliches Verständnis“, so der Bauernpräsident. Denn schließlich gehe es doch darum, Ernten und Qualitäten und damit die Ernährung der Bevölkerung zu sichern.

Seit Anfang Juni sei die neue Düngeverordnung in kraft. Die damit verbundenen Einschränkungen, Verbote und Dokumentationspflichten seien für die Landwirte gravierend. So müssten beispielsweise vor der Ausbringung von Düngern eine Düngebedarfsermittlung durchgeführt werden. Bei Kontrollen müssen entsprechende Aufzeichnungen vorliegen. Dadurch komme auf die Bauern ein erheblicher Mehraufwand zu. „Dennoch sperren wir uns nicht dagegen, weil wir ein ureigenes Interesse daran haben, umweltgerecht und ressourcenschonend zu düngen“, hob Schmal hervor. Die strengeren Vorgaben der Düngeverordnung würden sicherlich dazu beitragen, Nitrateinträge ins Grundwasser zu verringern.

 

hbv