11.04.2019

Bauern demonstrieren bei der Agrarministerkonferenz in Landau
Heftige Kritik an der geplanten Verschärfung der Düngeverordnung

„Wir kämpfen gemeinsam gegen eine überzogene Verschärfung der Düngeverordnung und fachlich nicht zu begründende Überregulierungen, die den Bauern auch in anderen Bereichen das Leben schwer machen“. Das sagte der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, Volker Lein, in seinem Grußwort zur Bauerndemonstration anlässlich der Agrarministerkonferenz am Donnerstag (11. April) in Landau. Rund 1.000 Bäuerinnen und Bauern aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Baden-Württemberg und Hessen, waren, zum Teil auch mit Traktoren, nach Landau gekommen, um den Anliegen und Forderungen des Deutschen Bauernverbandes zur Agrarministerkonferenz mehr Nachdruck zu verleihen.
 
„Die Forderungen der EU-Kommission gehen entschieden zu weit. Pauschale Verbote sind der falsche Ansatz, denn die Ausnutzung von nitrathaltigen Düngern durch unsere Kulturpflanzen ist von verschiedenen Faktoren abhängig, beispielsweise den Bodeneigenschaften, dem Wasserhaushalt, der Fruchtfolge und den Witterungsbedingungen“, sagte Lein. Auch der große Umfang der roten Gebiete beidseits des Rheins und in anderen Landesteilen müsse auf den Prüfstand. Dort, wo landwirtschaftsbedingte Nitratgrenzwertüberschreitungen festgestellt würden, bestehe Handlungsbedarf. Dem würden sich die Bauern nicht verweigern. Es könne aber nicht angehen, dass alle Flächen in den gefährdeten Gebieten über einen Kamm geschoren würden. Dagegen sei eine zielgerichtete un d differenzierte Herangehensweise erforderlich.  
 
Kooperation statt Konfrontation  
 
Gewässerschutz funktioniere nur mit den Bauern, nicht gegen sie, hob Lein hervor. Deshalb laute die Devise: Kooperation statt Konfrontation. Es komme darauf an, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die sowohl dem Gewässerschutz als auch unserer Landwirtschaft gerecht werden. Extrem frustrierend sei die Hängepartie und Rechtsunsicherheit im Bereich der Schweinehaltung. Hier trete die Politik seit Jahren auf der Stelle und biete keine Lösungen. Als Beispiel nannte er die seit Jahren anvisierte betäubungslose Ferkelkastration. Bei der Ausgestaltung des Kastenstands und der Ferkelbuchten benötigten die Sauenhalter lange Übergangsfristen und praktikable, wirtschaftlich tragfähige Lösungen. Ansonsten werde der ohnehin schon dramatische Einbruch in der Sauen- und Schweinehaltung noch beschleunigt.  
 
HBV-Vizepräsident Volker Lein auf der Bühne
Die Schmerzgrenze ist längst überschritten  
 
„Verbraucherschutz, Tierschutz, Insektenschutz, Klimaschutz, Gewässerschutz und Naturschutz, um nur die wichtigsten Schutzbereiche zu nennen, haben bei uns in Deutschland zu Recht einen hohen Stellenwert. Wir Bauern stehen dazu“, betonte Lein. Allerdings dürfe der Bogen nicht überspannt werden. Bei der Düngeverordnung und in vielen anderen Bereichen sei die Schmerzgrenze längst überschritten. Die Zukunftsfähigkeit und bäuerliche Existenzen stünden auf dem Spiel."Wir sind es leid, immer nur an den Pranger gestellt und für alles verantwortlich gemacht zu werden. Wenn das so weitergeht, brauchen wir uns nicht darüber zu wundern, dass junge Menschen nicht mehr bereit sind, die Höfe ihrer Eltern zu übernehmen", so Lein. Dieses Alarmzeichen dürfe die Politik nicht ignorieren.
 
Karikatur: "Wer am Ziel Gewässerschutz ankommen will, dem sollte man nicht mitten im Lauf immer neue Klötze ans Bein binden."
 
 
© Quelle: DBV-Inkje von Wurmb
 
 
 
 
Eindrücke von der Demonstration am 11. April 2019 in Landau
 
 
 
 
 
 
 
 
Fotos: HBV