21.07.2016

Braugerstenernte in vollem Gange
Pfungstädter Brauerei setzt auf „Geprüfte Qualität Hessen“

Informierten über die Braugerstenernte in Hessen, von links: HBV-Präsident Karsten Schmal, Werner Wald, Vorsitzender des Hessischen Braugerstenvereins, die Hessische Braugerstenkönigin Stella I., Peter Klingmann, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft "Gutes aus Hessen", sowie Dirk Sewe, Marketingleiter der Pfungstädter Brauerei
Der Hessische Bauernverband hat gestern auf den Betrieb von Werner Wald in Riedstadt-Leeheim eingeladen, um den aktuellen Stand der Braugerstenernte zu erläutern. Bei bestem Erntewetter informierten Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes; Werner Wald, Vorsitzender des Hessischen Braugerstenvereins; Dirk Sewe, Marketingleiter der Pfungstädter Brauerei und Peter Klingmann, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen sowohl über die Getreideernte im Allgemeinen als auch über die Besonderheiten der Braugerstenernte und der Braugerste als regionales Ausgangsprodukt für regionales Bier.  
„Die Wintergerstenernte ist in den hessischen Frühdruschgebieten bereits abgeschlossen. Leider liegen die Erträge deutlich unter den Erwartungen und durchschnittlich fünf bis zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau. Hinzu kommt das deutlich geringere Hektolitergewicht, das teilweise unter 60 Kilogramm liegt“, sagte Präsident Schmal. Er begründete die Mindererträge mit den hohen Niederschlagsmengen und fehlenden Sonnenstunden. Diese Witterung bedinge zudem Pilzkrankheiten in den Beständen. Diese hätten jedoch größtenteils durch gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen bekämpft werden können. Starkregenereignisse und Hagel führten zudem vielerorts zu Lagergetreide.
 
Ohne Pflanzenschutzmittel deutlich geringere Erträge
 
Auch der zurzeit laufende Drusch von Winterraps lasse wenig Hoffnung auf eine gute Ernte zu. Die Erträge lägen bisher etwa 10 bis 20 Prozent unter den Vorjahresergebnissen. Auch beim Winterraps gebe es einen starken Krankheitsdruck in den Beständen, der bei Nicht-Behandlung die Erträge deutlich minimiert hätte.
Generell erwartet Schmal für die Getreideernte in Hessen und Deutschland eher unterdurchschnittliche Ergebnisse. Europaweit werde mit einer guten Marktversorgung gerechnet. Diese Prognosen gelten vor allem für das Futtergetreide, gute Brotgetreidequalitäten werden voraussichtlich knapp sein, besonders durch ungünstige Ernteaussichten in Frankreich.
Für die Braugerste gelte, dass die Preise deutlich gesunken seien, was die Landwirte nicht gerade dazu ermutige mehr Braugerste anzubauen. Generell sei die wirtschaftliche Situation der Landwirte durch die geringen Erzeugerpreise sehr angespannt und resultiert häufig in Liquiditätsengpässen. Die diesjährige Ernte trage sicherlich nicht zu einer Entspannung auf den Betrieben bei, denn sowohl die Erträge als auch die Erlöse stimmen nicht.
„Der Anbau von Sommergerste in Hessen ist seit 1970 um mehr als zwei Drittel zurückgegangen. Aktuell sind es nur noch 14.600 Hektar. In den letzten Jahren wird Winterbraugerste häufiger zu Brauzwecken genutzt, da sie ebenso gut zur Herstellung von gutem Malz zu Brauzwecken geeignet ist, zudem bis zu 30 Prozent höhere Erträge liefert als Sommerbraugerste“, betonte Werner Wald, Vorsitzender des Hessischen Braugerstenvereins. Sollte die von den Mälzereien gewünschte Qualität nicht erreicht werden, sei die Vermarktung als Futtergerste deutlich wirtschaftlicher als bei Sommergerste.
Die diesjährigen Erträge seien, wie auch bei der Wintergerste unterdurchschnittlich, jedoch liegen die Eiweißergebnisse mit 9,5 bis 10,5 Prozent in einem guten Bereich. Nicht zufriedenstellend hingegen sei die Kornausbildung. Der so genannte Vollgerstenanteil mit einer Sortierung über 2,5 Millimetern, liege oftmals nur im Bereich von 70 Prozent, statt der geforderten mindestens 90 Prozent. Dadurch sei die Verwertung als Braugerste ausgeschlossen und nur noch die Verwertung als Futtergerste möglich.
 
Sommergerstenanbau rückläufig
 
Werner Wald berichtete, dass die Landwirte den Verbraucherwünschen nach regional erzeugten Lebensmitteln gerne nachkommen, allerdings müsse die „Wertschöpfungskette Bier“ hierbei mitziehen und die für die Rohstoffe erforderlichen Preise gezahlt werden. Ziel sei es, hessische Braugerste für hessisches Bier zu erzeugen. Dies erfordere die partnerschaftliche und verlässliche Zusammenarbeit von Brauereien, Mälzereien, dem Erfassungshandel und den Landwirten. In diesem Zusammenhang lobte Werner Wald die von der Marketinggesellschaft Hessen vergebene Qualitätsmarke „Geprüfte Qualität Hessen“, da diese sicherlich absatzfördernd sei. Deren Logo findet sich auch auf den Bierflaschen der Pfungstädter Brauerei, die Gerste aus kontrolliertem regionalem Anbau abnimmt.
 
Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft
 
„Wir sind eine Brauerei der Region, haben Mitarbeiter aus der Region, brauen ein Bier für die Region und beziehen selbstverständlich auch die Erzeugnisse und Rohwaren aus der Region. Braugerste seit 10 Jahren ausschließlich aus Hessen zu beziehen ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Kommunikation mit der Öffentlichkeit“, hob Dirk Sewe, Marketingleiter der Pfungstädter Brauerei, hervor. Dies ermögliche seit Jahren die Anlieferung einer gleichbleibend hohen Qualität und sei ein Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft. Aus diesem Grunde wurde im Jahr 2016 die erste Hessische Braugerstenkönigin, Stella I., gekrönt, als ein Zeichen zum regionalen Produkt Braugerste.
Der regionalen Herkunft der Erzeugnisse hat sich auch die Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen verschrieben, die mit ihrer Qualitätsmarke dem Verbraucher qualitativ hochwertige und neutral kontrollierte Produkte mit nachvollziehbarer Herkunft garantiert und daher auch dem Trend nach Regionalität Rechnung trägt. Nach Aussage von Peter Klingmann, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen, ist hierbei wichtig, dass hessische Produkte entsprechend gekennzeichnet seien, dies gelte auch beim Pfungstädter Bier aus hessischer Braugerste. Stella I. wünscht sich, dass der Verbraucher sich des Ursprungs der konsumierten Lebensmittel wieder mehr bewusst wird, als dies gegenwärtig der Fall sei.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Getreideernte in diesem Jahr eher mäßig ist, sowohl hinsichtlich der Erträge als auch der Qualitäten und vor allem der Erlöse. Dennoch freuen sich die hessischen Landwirte, dass bei der Braugerstenproduktion trotz der widrigen Umstände ein hochwertiges Produkt für regionale und überregionale Abnehmer erzeugt werden konnte.