21.10.2019

"Erntedank auch Erinnerung an unsere Verantwortung"
Landeserntedankfest mit Bischof Kohlgraf in Gießen

Bischof Prof. Dr. Peter Kohlgraf stellte die Verantwortung des Menschen gegenüber des Schöpfers und der Schöpfung in den Mittelpunkt seiner Predigt zum gestrigen Landeserntedankfest in der Gießener St.-Bonifatius-Kirche. Erntedank müsse auch die Erinnerung an unsere Verantwortung sein. Er dankte den Bauernfamilien für ihre Leistungen und kritisierte, dass Fragen der Wirtschaftlichkeit ökologischen Fragen vielfach vorangestellt würden.

Bei der anschließenden Kaffeetafel in den Räumen der Vereinigten Hagel Versicherung dankte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, dem Vorstandsvorsitzenden der Vereinigten Hagel, Dr. Rainer Langner, herzlich für seine Gastfreundschaft und allen Mitwirkenden für die Gestaltung des Erntedankgottesdienstes, insbesondere dem Bezirkslandfrauenverein Gießen und der Landjugend Gießen. In seiner Ansprache wies der Präsident das Agrarpaket mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz entschieden zurück. Es sei in der vorliegenden Form unbrauchbar und bedürfe einer grundlegenden Überarbeitung. Der Schutz von Insekten sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Alle müssten dazu ihren Beitrag leisten, nicht nur die Landwirtschaft. Ähnlich verhalte es sich beim Klimaschutz. „Was uns Bauern zunehmend Sorgen bereitet, sind immer mehr Verbote, kostentreibende Auflagen und die überbordende Bürokratie. Das ist unerträglich und frustrierend“, betonte Präsident Schmal. Weltweit litten 822 Millionen Menschen an Hunger. Seit drei Jahren sei die Tendenz wieder steigend. Diese Entwicklung sei besorgniserregend. Aufgrund ihres Know-hows, der vergleichsweise guten Böden und klimatischen Bedingungen könnten die deutschen Bauern helfen, diesen Missstand zu beseitigen, und zwar durch eine nachhaltige, umweltgerechte und ressourcenschonende Landwirtschaft. Dazu sei allerdings eine Politik mit Vernunft, Augenmaß und Verlässlichkeit notwendig.

Die Staatssekretärin im Hessischen Landwirtschaftsministerium, Dr. Beatrix Tappeser betonte in ihrem Grußwort, dass Hessen als Ökomodellregion für den Bund beispielgebend sein könnte und verwies auf den Zukunftspakt „Hessische Landwirtschaft“, wonach die bäuerliche Landwirtschaft und die Direktvermarktung gestärkt werden sollten. Sie hob hervor, dass es in Hessen keine Massentierhaltung gebe. Gleichwohl gelange Gülle aus den Veredlungshochburgen in unser Bundesland. Über ein spezielles Meldesystem wolle ihr Ministerium den Gülletourismus unterbinden.