14.08.2020

Getreideernte in Hessen weitestgehend abgeschlossen

„Bislang hatten wir alles in allem sehr gute Bedingungen für die Getreideernte: Es war die meiste Zeit trocken und sonnig. Bis auf einige Restflächen ist die Winterweizenernte in Hessen weitestgehend abgeschlossen und wurde in den vergangenen Tagen nur durch kurze Regen- und Gewitterschauer unterbrochen“, begann der Präsident des Hessischen Bauernverbandes Karsten Schmal am vergangen Mittwoch das nächste Erntepressegespräch dieses Jahres, welches auf gemeinsame Einladung der Kreisbauernverbände Frankenberg und Waldeck am 12. August auf dem Betrieb der Familie Grass in Frankenberg-Haubern stattfand. Als äußerst heterogen stelle sich die Ertragslage dar, so Schmal weiter. „Es gibt große regionale Unterschiede. Denn in Abhängigkeit von der Niederschlagsmenge und -verteilung sowie der Bodenqualität, die maßgeblich von der Wasserhaltefähigkeit bestimmt wird, fallen die Kornerträge sehr unterschiedlich aus. Wo im Mai und Juni noch ausreichend Niederschläge gefallen waren, konnte der Weizen diese noch gut verwerten und dankte es mit Spitzenerträgen, wohingegen vor allem auf Niedrigertragstandorten die ausbleibenden Regenfälle umso mehr dazu führten, dass teils deutlich niedrigere Erträge im Vergleich zum langjährigen Mittel zu erzielen waren“, fasste Schmal weiter zusammen. „Wir rechnen in Hessen in diesem Jahr beim Getreide mit einer eher unterdurchschnittlichen Gesamterntemenge“. Generell konnte man auch in diesem Jahr über alle Regionen hinweg zu einem sehr frühen Termin in die Ernte starten. Betriebsleiter Grass wertete für seinen im Nebenerwerb geführten Ackerbaubetrieb die erzielten Erträge als zufriedenstellend, wenngleich insbesondere die schon durch Frostschäden im Frühjahr geschädigte Wintergerste starke Ertragseinbußen erlitt. Selbst hatte Familie Grass die Getreideernte am Vortag des Pressegesprächs beenden können.   Die anhaltende Frühjahrstrockenheit habe bereits im dritten Jahr in Folge das Wachstum und die Entwicklung der Kulturpflanzen wieder einmal sehr stark beeinflusst. Das Wintergetreide und der Raps seien zwar gut über den milden und verhältnismäßig niederschlagsreichen Winter gekommen, die Startbedingungen im Frühjahr waren wegen der langanhaltenden Trockenheit von Mitte März bis Ende April allerdings denkbar ungünstig. Während im langjährigen Mittel in Hessen in den Monaten März bis Mai durchschnittlich 190 Liter Niederschlag pro m2 fallen, wären es in diesem Frühjahr gerade mal 110 l je m2 gewesen, erklärte Schmal weiter.   Große Sorge bereitet Schmal die derzeitige Grünlandsituation. Schon wegen fehlender Frühjahrsniederschläge war der erste Silageschnitt in weiten Teilen Hessens sehr unbefriedigend ausgefallen. Landwirte berichteten von Ertragseinbußen im ersten Schnitt von 50 Prozent und mehr. Mittlerweile völlig vertrocknete Bestände führten in den folgenden Schnitten teilweise zu noch höhere Ertragseinbußen bis hin zum Totalausfall. „Vor dem Hintergrund der drohenden Futterknappheit, auch aufgrund keiner Möglichkeit in den vergangen beiden Dürrejahren Futterreserven anzulegen, sind unsere viehhaltenden Betriebe ebenso dringend auf gute Silomaiserträge angewiesen“, stellte Schmal klar. In den von Trockenheit geprägten Gebieten des Landes zeige aber Silomais mittlerweile ebenfalls deutliche Trockenschäden.   Besonders hervor hob Bernd Keindl vom Fachdienst Landwirtschaft des Landkreises Waldeck-Frankenberg die rege Anteilnahme der Landwirtinnen und Landwirte an freiwilligen Agrarumweltprogrammen zur Anbaudiversifizierung und vielgliedrigen Fruchtfolgen. Olaf Fackiner, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Frankenberg, stellte abschließend noch die der Produktion von Qualitätsgetreide oder auch Winterraps widrigen Auflagen in den sog. Roten Gebieten vor und pochte auf eine transparente nachvollziehbare Abgrenzung auf Grundlage geeigneter Messstellen. Die bereits seit über einem Jahrzehnt gepflegte und freiwillige Zusammenarbeit mit der Schnittstelle Boden zum Thema Wasserschutz, sei einmal mehr bezeichnend für die Bereitschaft der Landwirtinnen und Landwirte mit kooperativen Ansätzen gemeinsam Lösungen zu finden, so Betriebsleiter Grass dazu. Zu guter Letzt bedankte sich Heiko Kieweg, Vorstandsmitglied des Kreisbauernverbands Waldeck, bei den Anwohnern für das entgegengebrachte Verständnis, dass Erntearbeiten mitunter auch in Abendstunden und am Wochenende nötig seien und entsprechend zu Staub und Lärm führen können.