28.08.2020

Faire Wettbewerbsbedingungen statt überzogene Reglementierungen
Forderungen von HBV-Präsident Schmal zum EU-Agrarrat in Koblenz

„Die heimische, regionale Landwirtschaft braucht Wertschätzung, faire Wettbewerbsbedingungen und Unterstützung. Sie darf auf keinen Fall überzogenen Verordnungen und Reglementierungen zum Opfer fallen. Unausgewogene Handelsabkommen, wie zum Beispiel die geplante Vereinbarung mit den Mercosur-Staaten, müssen unterbleiben.“ Mit diesen Worten appelliert der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, an die am kommenden Montag und Dienstag in Koblenz tagenden EU-Agrarminister.

Agrarimporte aus Drittländern dürften die künftig noch höheren EU-Standards im Verbraucher-, Umwelt-, Klima- und Tierschutz nicht unterlaufen. Das müsse auch für landwirtschaftliche Erzeugnisse aus den südamerikanischen Mercosur-Staaten gelten, zumal durch die zunehmende Brandrodung des Regenwaldes im Amazonasgebiet dort der Klimaschutz und die Nachhaltigkeit mit Füßen getreten würden. Das weltweite Klima werde dadurch erheblich geschädigt und die diesbezüglichen Anstrengungen der europäischen Landwirte ad absurdum geführt. Weite Transportwege sollten grundsätzlich unterbleiben.

„Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang auch eine nachvollziehbare und eindeutige Kennzeichnung von Lebensmitteln, beispielsweise bei tierischen Produkten sowohl für die Haltungsform als auch für die Herkunft der Waren. Generell müssen europäische und nationale Erzeugnisse für die Verbraucher klar erkennbar sein. Nur dann können sie sich durch ihre Kaufentscheidung zu regionalen und unter hohen Standards erzeugten Produkten bekennen“, hebt Schmal hervor.

Im Rahmen der EU-Farm-to-Fork- und -Biodiversitätsstrategie ist vorgesehen, dass Landwirte den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln pauschal reduzieren sollen. „Das ist kontraproduktiv und geht entschieden zu weit. Denn der gezielte, bedarfsorientierte Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln ist notwendig, um die gewünschten Qualitäten und Erträge zu sichern“, so Schmal. Wesentlich zielführender sei es, digitale Techniken zu einer weiteren Optimierung künftig stärker zu nutzen und zu fördern. Darüber hinaus sollten die Chancen neuer Züchtungsmethoden, wie der Einsatz der Genschere, nicht vertan werden.

„Auf europäischer, aber auch auf nationaler Ebene brauchen wir dringend einen sachlicheren und an der Wissenschaft orientierten Umgang mit landwirtschaftlichen Arbeitsverfahren. Nicht zuletzt braucht vor allem unsere Jugend mehr Anerkennung für ihre Arbeit, verlässliche Rahmenbedingungen und Perspektiven, um die zukünftigen Herausforderungen bewerkstelligen zu können“, betont Schmal.

Im Vorfeld des EU-Agrarministerrats in Koblenz hat Präsident Schmal die beiden Europaabgeordneten Michael Gahler und Engin Eroglu sowie den Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Europaangelegenheiten, Mark Weinmeister, in Gesprächen eindringlich gebeten, die Anliegen der hessischen Bauern auf europäischer Ebene konsequent zu vertreten. Zur Untermauerung erhielten die Gesprächspartner das angehängte Positionspapier des Deutschen Bauernverbandes mit den 7 Kernanliegen für den EU-Agrarministerrat in Koblenz.