03.05.2016

Gelb blühende Rapsfelder prägen das Landschaftsbild

„Auf einer Fläche von rund 62.100 Hektar wird in diesem Jahr in Hessen Winterraps angebaut. Das sind 13 Prozent des hessischen Ackerlandes von 478.000 Hektar.“ Darauf wies der Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Karsten Schmal, bei einem Pressegespräch auf dem Marienhof der Familie Müller in Hungen-Bellersheim am Mittwoch (27. April) hin. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Winterrapsanbau in unserem Bundesland nach einer Schätzung um rund 6.100 Hektar oder knapp elf Prozent ausgedehnt worden. Bundesweit wachse die Öl- und Eiweißpflanze Raps in Deutschland in diesem Jahr auf einer Fläche von ca. 1,34 Millionen Hektar. Das seien etwas mehr als zehn Prozent der deutschen Ackerfläche. „Nicht nur die Menschen erfreuen sich in den Monaten April und Mai an den blühenden Rapsfeldern, sie sind auch eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Von einem Hektar Raps können im Durchschnitt 40 kg Rapshonig erzeugt werden“, hob Schmal hervor. Aus 4.000 Kilogramm Raps, dem Ertrag von einem Hektar, würden in Ölmühlen etwa 1.600 Liter Rapsöl oder Biodiesel und zusätzlich 2.100 Kilogramm Rapsschrot gewonnen. Damit könnten drei Milchkühe ein Jahr lang mit hochwertigem Eiweißfutter versorgt werden. Das heimische Eiweißfuttermittel Rapsschrot werde neben Milchkühen auch an Schweine und Geflügel verfüttert. Die gesamte bundesdeutsche Rapsernte liefere über drei Millionen Tonnen gentechnikfreies Eiweißfutter. „Die damit eingesparten Sojaimporte entsprechen einem Anbauumfang von etwa 1,3 Millionen Hektar Soja in Südamerika. Der Rapsanbau in Deutschland trägt somit indirekt auch zum Schutz von Regenwäldern bei“, betonte Präsident Schmal. 

Landwirte machen die Landschaft bunt  

„Unter dem Motto - Wir machen nicht nur die Landschaft bunt - haben die 1.500 Mitglieder der Hessischen Erzeugerorganisation für Raps 400 Feldtafeln an ihren Rapsäckern aufgestellt. Sie zeigen Radfahrern und Fußgängern, was hinter den gelben Rapsfeldern steckt“, erläuterte Heinrich Fritz-Emmerich, Vorsitzender der Hessischen Erzeugerorganisation für Raps (HERA). Zur Ernte 2016 bauten die Mitgliedsbetriebe ca. 9.000 Hektar Raps an. Auf dieser Fläche könnten 36.000 Tonnen Rapssaat geerntet werden. Damit auch nach der Rapsblüte im Juni und Juli noch Blüten in der Landschaft vorhanden seien, hätten die Rapsbauern der Erzeugerorganisation rund 60 Hektar Blühflächen angelegt. Diese Blühpflanzen, wie zum Beispiel Phacelia, Lupinen oder Inkarnatklee, böten nicht nur der Honigbiene, sondern auch allen wildlebenden Insekten und dem Niederwild ein erweitertes Nahrungsangebot.  

Ölmühle Mainz vor der Schließung 

Mit großem Bedauern stellten HBV-Präsident Karsten Schmal und HERA Vorsitzender Heinrich-Fritz Emmerich fest, dass der Agrarkonzern Cargill beabsichtige, die Ölmühle in Mainz bis Mitte des Jahres zu schließen. Diese Rapsmengen müssten dann zu weiter entfernten Ölmühlen in Mannheim, Neuss, Hamm oder Salzgitter transportiert werden. Dadurch werde sich die Wirtschaftlichkeit des Rapsanbaus in Hessen aufgrund höherer Transportkosten deutlich verschlechtern. Die vielfach gewünschte regionale Verarbeitung und Vermarktung sei damit in Frage gestellt.   „Mit einem aktuellen Erzeugerpreis von 345 Euro je Tonne sei der Winterrapsanbau, der hohe Produktionskosten verursache, gerade noch wirtschaftlich“, sagte der Vorsitzende des Bauernverbandes Gießen-Wetzlar-Dill, Manfred Paul. Im Landkreis Gießen habe sich die Rapsanbaufläche in den letzten Jahren bei knapp 4.000 Hektar eingependelt. Torsten Müller, Betriebsleiter des Marienhofes und Gastgeber des Pressegespräches in Hungen-Bellersheim, stellte seinen 480 Hektar umfassenden Betrieb mit rund 20.000 Putenmastplätzen vor. Pro Woche würden rund 200 Putenhennen direktvermarktet. Er wirtschaftet mit zwei 4-jährigen Fruchtfolgen: Zuckerrüben-Winterweizen-Silomais/Sorghum-Winterweizen und Winterraps-Winterweizen-Winterweizen-Wintergerste. Im Unternehmen werden 60 Hektar Winterraps angebaut. Der Winterraps könne einen Teil des im Betrieb anfallenden Wirtschaftsdüngers im Herbst gut verwerten. Das Putenfutter enthält vier bis acht Prozent des hofeigenen Rapsschrotes.  

Die hessische Rapsblütenkönigin, Nadine I., lies die Höhepunkte ihrer in gut einem Monat endenden Regentschaft Revue passieren. Sie hob die zahlreichen Erntedankfeste mit dem krönenden Abschluss des Erntedankfestes in Limburg besonders hervor und sagte: „Es ist sehr wichtig, für die Nahrungsmittel und ihre Qualität zu danken und sie wertzuschätzen“.