01.08.2019

Große Veränderungen im Fruchtartenverhältnis
HBV-Erntepressegespräch in Zierenberg-Oberelsungen

Mit nur noch 27.500 Hektar hat sich die Winterrapsanbaufläche in Hessen im Vergleich zum Vorjahr, in dem 54.700 Hektar abgeerntet wurden, halbiert“. Das betonte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, am Mittwoch (31. Juli) vor zahlreichen Medienvertretern auf dem Betrieb von Cordula Krüger-Rose und Thomas Rose in Zierenberg-Oberelsungen. Als Hauptgrund für diesen dramatischen bislang noch nicht dagewesenen Rückgang nannte er die extreme Trockenheit zur Zeit der Aussaat im August 2018. In Anbetracht dieser schlechten Bedingungen hätten viele Landwirte erst gar keinen Raps gesät oder seien gezwungen gewesen, sehr lückig aufgelaufene Bestände umzubrechen. Damit reduziert sich das Angebot von hochwertigem Speiseöl und Eiweißfutter aus heimischer Erzeugung erheblich. Auch die Bienenweide für hessischen Rapshonig wurde dadurch entscheidend verringert.

Das Fruchtartenverhältnis hat sich dementsprechend stark verändert. So ist der Anbau von Roggen gegenüber dem Vorjahr von 12.300 Hektar auf 16.700 Hektar und damit um knapp 36 Prozent ausgedehnt worden. Der Anbau von Triticale stieg um 19,4 Prozent, die Wintergerstenanbaufläche wurde um 11,3 Prozent ausgedehnt und die Winterweizenfläche um 5,7 Prozent erweitert.

Nach den bislang vorliegenden Ernteergebnissen liegen die Wintergerstenerträge etwa 10 Prozent über dem schlechten Niveau des Dürrejahres 2018. Beim Winterweizen, der durch die Hitze und Trockenheit im Juni sehr gelitten hat, berichten die Landwirte je nach Standort und Niederschlagsverteilung von Ertragseinbußen bis zu 10 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel. Die wichtige öl- und eiweißfutterliefernde Pflanze Raps enttäuschte in diesem Jahr wiederholt mit eher unterdurchschnittlichen Erträgen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Kassel, Ernst Winfried Döhne, gab einen Überblick über die Landwirtschaft im Landkreis Kassel. Er bezifferte die landwirtschaftlich genutzte Fläche mit rund 55.500 Hektar, darunter 13.100 Hektar Grünland. Ebenso wie Präsident Schmal kritisierte Döhne, dass die vielfältigen Leistungen der Bauernfamilien von weiten Teilen der Gesellschaft nicht gebührend geschätzt würden.

Betriebsleiter Thomas Rose, der mit Ehefrau Cordula Krüger-Rose und Familie einen Ackerbaubetrieb mit Grassamenvermehrung bewirtschaftet, musste wegen der Trockenheit rund 50 Hektar Raps umbrechen. Seit 2015 werden in einer modernen Stallanlage Legehennen im Freiland konventionell gehalten und unter dem Gütesiegel „Geprüfte Qualität Hessen“ Eier erzeugt und vermarktet. Der Betrieb ist einer von 20 Modell- und Demonstrationsbetrieben für Tierwohl der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.mud-tierschutz.de. Mastschweine werden über Metzger vor Ort regional vermarktet.