28.05.2019

Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen
Zwischenbilanz von Ministerium, Bauernverband und Imkerverband

Die 2017 gestartete Gemeinschaftsinitiative „Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen – Landwirte und Imker sind Partner“ hat sich von Beginn an sehr positiv entwickelt und ist ein gelungenes Beispiel zur Verbesserung der Artenvielfalt in unserem Bundesland. Das stellten die Hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz, der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, Thomas Kunz, und der Vorsitzende des Landesverbandes Hessischer Imker, Manfred Ritz, am Dienstag (28. Mai) in Roßdorf bei Darmstadt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Karlheinz und Bernd Rück übereinstimmend fest.

„Die Blühstreifen schaffen Nahrung und Lebensraum für Bienen, Wildbienen und anderen Insekten und sind damit extrem wichtig für den Erhalt der Artenvielfalt“, erklärte Ministerin Hinz.

Im Rahmen der Initiative, die eingebunden ist in die Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ haben hessische Landwirte 2017 1.000 Kilogramm Blühflächensaatgut ausgesät, 2018 war es mit 8.000 Kilogramm ein Vielfaches davon. In diesem Jahr konnte die Aussaatmenge erneut deutlich gesteigert werden auf 16.000 Kilogramm. Landwirte haben damit 1.600 Hektar Blühflächen geschaffen, was einem fünf Meter breiten Blühstreifen von 3.200 Kilometer Länge entspricht. Bezieht man die im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen und der EU-Agrarförderung angelegten Blühflächen mit ein, kommt man rein rechnerisch auf eine Blühstreifenlänge von mehr als 8.000 Kilometer. „Diese Zahlen sprechen für sich. Sie belegen eindrucksvoll, dass wir Landwirte uns zunehmend um die Verbesserung der Artenvielfalt kümmern und Verantwortung übernehmen“, betonte der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, Thomas Kunz. Hierbei handele es sich aber um eine Aufgabe, der sich die ganze Gesellschaft stellen müsse, auch Landkreise, Kommunen und Privatpersonen seien gefordert. Denn durch Flächenverbrauch, die Zersiedelung der Landschaft, das Freizeitverhalten und den zunehmenden Autoverkehr beeinträchtigten alle mehr oder weniger die Lebensräume von Pflanzen und Tieren.

Er gab aber auch zu bedenken, dass landwirtschaftliche Flächen in erster Linie zur Produktion von Lebensmitteln dienen. Der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die vielfach zu Unrecht für den Artenschwund verantwortlich gemacht würden, sei notwendig, um Erträge und die gewünschten Qualitäten zu sichern. Viele landwirtschaftliche Kulturpflanzen, zum Beispiel Obstbäume und Erdbeeren, seien auf die Bestäubung durch Bienen und Insekten angewiesen, hinzu komme die positive Wirkung von Nützlingen. „Deshalb haben wir Landwirte ein ureigenes Interesse am Schutz von Bienen und anderen Bestäubern und wirtschaften im Einklang mit der Natur“, so Kunz.

„Landwirte und Imker sind schon lange Partner. Durch die Gemeinschaftsinitiative wurde die Zusammenarbeit intensiviert, beispielsweise als es darum ging, eine aus 16 verschiedenen Pflanzenarten bestehende Saatgutmischung für Blühstreifen zusammenzustellen“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes Hessischer Imker, Manfred Ritz. Mit Blüten aus dieser Mischung sei gewährleistet, dass den Bienen nach der Obstbaum- und Rapsblüte im Sommer und Spätsommer genügend Nahrungsquellen zur Verfügung stehen. Diese seien für die Wildbienen und andere Insekten sehr wichtig, um gesund und widerstandsfähig den kommenden Winter zu überstehen. Derzeit gibt es, nach Aussage von Manfred Ritz, in Hessen rund 11.000 Imker, die 62.400 Bienenvölker betreuen. 2003 wurden in Hessen 5.400 Imker mit 44.000 Bienenvölkern gezählt.

Jürgen Albrecht, Vorstandsmitglied des Regionalbauernverbandes Starkenburg (RBV), stellte die Landwirtschaft in seinem Verbandsgebiet vor und wies darauf hin, dass der RBV mit 1.600 Kilogramm Blühstreifen-Saatgut die Menge des Vorjahres verdoppelt habe. Betriebsleiter und Kreislandwirt Karlheinz Rück bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb mit 100 Kühen und 120 Hektar Land. Er betonte, dass er in seinem Betrieb schon vor dreißig Jahren die Vernetzung von Biotopen im Blick hatte. Derzeit hat er im Umfeld seines Rosenhofes 800 Quadratmeter Blühstreifen angelegt, in der Gemeinde Roßdorf sind es insgesamt 2.500 Quadratmeter.