21.04.2016

Hessische Braugerste für hessisches Bier - Stellenwert der Landwirtschaft innerhalb der Wertschöpfungskette stärken

„Gemessen am Anteil der Landwirtschaft an den Verbraucherausgaben ist der Stellenwert der Landwirtschaft innerhalb der Wertschöpfungskette bei Lebensmitteln in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken.“ Darauf wies der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, bei einem Pressegespräch anlässlich des 500jährigen Bestehens des Deutschen Reinheitsgebots am Donnerstag (21. April) auf dem Kronenhof in Bad Homburg hin. Ein Liter Bier enthalte im Schnitt etwa 215 Gramm Gerste. Bei einem Preis von rund 18 Euro für die Dezitonne bekomme der Landwirt für seinen Gerstenanteil gerade einmal 4 Cent je Liter Bier. 

Für den Hopfenanteil erhalte der Landwirt kaum mehr als 1 Cent je Liter Bier.   „Wir Landwirte erzeugen Tag für Tag qualitativ hochwertige und sichere Lebensmittel. Wir stehen für Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Deshalb benötigen wir einen höheren Anteil vom Verkaufspreis für Lebensmittel“, betonte Präsident Schmal. Der Bierkonsum der Deutschen habe in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen leider nachgelassen. 2014 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 107 Liter pro Person. 1980 waren es noch 146 Liter Bier. Wie bei anderen Lebensmitteln und Getränken sei der Biermarkt in Deutschland hart umkämpft. Wiederholte Sonderaktionen im Handel und die Konkurrenz aus dem Ausland machten den Bauern und somit auch den Mälzern und Landwirten das Leben schwer. Die Tatsache, dass die Zahl der kleinen Brauereien und Braustätten in den letzten Jahren zugenommen habe, zeige, dass dieser Weg in Richtung Regionalität eine Z
ukunft habe. Wichtig sei, dass die Akteure in der Region, Landwirte, Mälzer und Brauer, zueinander fänden.  

Werner Wald, Vorsitzender des Hessischen Braugerstenvereins, verdeutlichte den dramatischen Rückgang des Sommer- und damit Braugerstenanbaus in Hessen und in Deutschland. 2015 wurden in Hessen rund 20.000 Hektar Sommergerste angebaut. 1970 66.000 Hektar, 1980 40.000 Hektar und 1995 28.000 Hek
tar. In Deutschland ging die Sommergerstenanbaufläche von rund 1 Million Hektar 1970 über 662.000 Hektar 1995 auf 365.000 Hektar im Jahr 2015 zurück. Unbefriedigende Erzeugerpreise seien die Hauptursache dieser Entwicklung.  

„Mälzer und Brauer stellen hohe Qualitätsansprüche, die wir Landwirte natürlich erfüllen wollen. Ein nicht kalkulierbarer Faktor ist die Witterung, die wir nicht in der Hand haben, die aber die Braugerstenqualität entscheidend beeinflussen kann“, so Werner Wald. Die Landwirte setzten zunehmend auf Winterbraugerste, um das Anbaurisiko zu verringern. Gegenüber der Sommerbraugerste liefere die Winterbraugerste etwa 25 bis 30 Prozent höhere Erträge. Auch in puncto Qualität habe die Winterbraugerste enorm aufgeholt, was viele Mälzer und Brauer bestätigen. „Wenn wir Landwirte beim Braugerstenanbau keine kostendeckenden Preise erzielen, müssen wir uns zwangsläufig vom Anbau verabschieden“, warnte Wald. Das liege überhaupt nicht im Interesse der Bauern. Ganz i
m Gegenteil. Ihr Ziel sei, hessische Braugerste für hessisches Bier zu erzeugen. Voraussetzung dafür sei eine partnerschaftliche und verlässliche Zusammenarbeit von Brauereien, Mälzereien, dem Erfassungshandel und den Landwirten.