28.08.2020

Hessische Getreideernte deutlich unter Vorjahresniveau
Anbaufläche gesunken - stärkste Einbußen bei Wintergerste

„Die hessischen Landwirte haben in diesem Jahr insgesamt 1,94 Millionen Tonnen Getreide geerntet und damit den Durchschnitt der letzten sechs Jahre von 2,05 Millionen Tonnen in Hessen um 5 Prozent unterschritten. Im Vergleich zum Vorjahr gab es sogar ein Minus von rund 10 Prozent“. Das sagte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, am Freitag (28.08.) beim Erntegespräch des Regionalbauernverbandes Kurhessen in Fritzlar-Züschen. Er stützte sich dabei auf das vom Hessischen Statistischen Landesamt ermittelte vorläufige Ergebnis.

Die Erntemenge sei einerseits wegen gesunkener Hektarerträge zurückgegangen, andererseits weil die Getreideanbaufläche gegenüber dem Vorjahr von 302.770 Hektar auf 283.905 Hektar in diesem Jahr um rund 6 Prozent verringert wurde.

Stärkste Ertragseinbußen bei Wintergerste

Im Durchschnitt hätten die hessischen Landwirte 2020 68,5 Dezitonnen Getreide je Hektar geerntet. Das seien 2,3 Prozent weniger als im Schnitt der Jahre 2014 bis 2019 und 4,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die stärksten Ertragseinbußen im Vergleich zum Vorjahr habe es bei der Wintergerste mit einem Minus von knapp 13 Prozent gegeben. Neben der Trockenheit seien Spätfröste, die die Blüte geschädigt hätten, dafür verantwortlich. Auch bei der Sommergerste, dem Roggen und dem Hafer seien die Hektarerträge zwischen 10 und 3 Prozent gesunken. Winterweizen, der mit rund 143.000 Hektar etwa die Hälfte der hessischen Getreidefläche einnimmt, hat mit 78,7 Dezitonnen je Hektar den Vorjahresertrag um 1 Prozent übertroffen.

„Die anhaltende Frühjahrstrockenheit hat im dritten Jahr in Folge das Wachstum und die Entwicklung unserer Kulturpflanzen stark beeinträchtigt. Die Niederschläge im Mai und Juni hätten einiges wettgemacht. Für die Wintergerste seien sie allerdings im Gegensatz zum Winterweizen zu spät gekommen. In Abhängigkeit von der Niederschlagsmenge und -verteilung sowie der Bodenqualität fielen die Getreideerträge je nach Region, aber auch kleinräumig, generell sehr unterschiedlich aus.

Wieder mehr Winterraps auf hessischen Äckern

„Ausgehend von einem sehr niedrigen Vorjahresniveau von 27.000 Hektar wurde der Winterrapsanbau in unserem Bundesland auf 45.400 Hektar deutlich ausgeweitet. In der ersten Hälfte des zurückliegenden Jahrzehnts lag die Rapsanbaufläche meist über 60.000 Hektar“, betonte Schmal. Ungünstige Witterungsbedingungen, das Verbot wirksamer Pflanzenschutzmittel und gesunkene Erzeugerpreise hätten zu dem gravierenden Anbaurückgang geführt.

„Die meisten Rapsbestände sind gut über den Winter gekommen. Obwohl die Wasserversorgung zu Beginn der Blüte Mitte April suboptimal war, wurden in diesem Jahr in Hessen überraschenderweise 39,2 Dezitonnen Winterraps je Hektar geerntet. Das sind 22 Prozent mehr als im schlechten Vorjahr und immer noch 3 Prozent mehr als im Schnitt der letzten Jahre“, sagte Schmal.

Knappe Futterversorgung

Der Grünlandaufwuchs sei in diesem Jahr wegen den langen Trockenperioden vielerorts erneut sehr knapp ausgefallen. Das gelte insbesondere für den ersten Silageschnitt. In manchen Regionen seien auch die weiteren Schnitte schwach gewesen, bis hin zu Totalausfällen. Das stelle betroffene Betriebe vor große Probleme, vor allem wenn der Silomais die vorhandenen Futterlücken nicht schließen könne.