6.09.2021

Insekten- und Gewässerschutz mit der Landwirtschaft
Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Hessen, Berufsstand und Naturschutzverbänden unterzeichnet


Der Hessische Bauernverband (HBV), die Hessische Landjugend (HLJ) und Land schafft Verbindung Hessen (LSV) bewerteten die heute in Wiesbaden unterzeichnete Kooperationsvereinbarung Landwirtschaft und Naturschutz in Hessen positiv und wegweisend. „Das nach intensiven Verhandlungen zustande gekommene Ergebnis kann sich sehen lassen, auch wenn der Landwirtschaft viel abverlangt wird. Kooperation, Freiwilligkeit und Leistungshonorierung sind als zentrale Elemente der Vereinbarung der Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Landwirten und Naturschützern“, so die übereinstimmende Meinung von HBV-Präsident Karsten Schmal, HLJ-Agrarsprecher Torben Eppstein und LSV-Vorsitzender Tobias Wagner nach der Unterzeichnung.


Die Kooperationsvereinbarung Landwirtschaft und Naturschutz 2021 finden Sie hier im Download.




Positive Bewertungen


Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes: „Die Kooperationsvereinbarung Landwirtschaft und Naturschutz bietet die Chance, Biodiversität, Insektenschutz und Gewässergüte in Kooperation mit den landwirtschaftlichen Betrieben zu verbessern. Wir sind von dem kooperativen Ansatz der Vereinbarung im Gegensatz zu ordnungsrechtlichen Maßnahmen überzeugt. Sie ist ein logischer und notwendiger Schritt, die von den hessischen Landwirtinnen und Landwirten erbrachten Leistungen zum Schutz der natürlichen Ressourcen adäquat zu honorieren. Wir verstehen die Vereinbarung als klares Bekenntnis zum Zukunfts- und Landwirtschaftsstandort Hessen mit wirtschaftlich tragfähigen Betrieben.“

Torben Eppstein, Agrarsprecher der Hessischen Landjugend: „Die Hessische Landjugend sieht die getroffene Vereinbarung als zukunftsweisenden Weg, um die kommenden Herausforderungen gemeinsam als Gesellschaft erfolgreich bewältigen zu können. Hier wird auch nochmals deutlich, dass Naturschutz nur mit uns (Jung-)Landwirtinnen und Landwirten erfolgreich sein kann. Die Vereinbarung gibt uns die nötige Grundlage, auch in Zukunft unsere heimischen Äcker bewirtschaften und die Bevölkerung weiterhin mit ausgezeichneten Lebensmitteln aus der Region versorgen zu können“.

Tobias Wagner, Erster Vorsitzender von Land schafft Verbindung Hessen: „Der Leitspruch unserer Basisbewegung ist immer ‚Redet mit uns, nicht über uns‘. Der Runde Tisch war der Ort und die Kooperationsvereinbarung ist das Ergebnis dieser Gespräche und unserem Bestreben, dass Natur- und Artenschutz nur mit den hessischen Landwirten und nicht auf Kosten der landwirtschaftlichen Betriebe funktionieren kann. Wichtig war es für uns auf Zielkonflikte zwischen Naturschutz und regionaler Lebensmittelproduktion hinzuweisen und zusammen mit den beteiligten Naturschutzverbänden und dem Hessischen Umweltministerium diese abzuwägen und zu Lösungsansätzen zu kommen, die auch immer wieder überprüft und nachgehalten werden. Die hessischen Landwirte haben ein hohes Engagement für die Natur als ihre Lebensgrundlage und können als Fachleute Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität für die Gesamtgesellschaft umsetzen, nur eben nicht zum Nulltarif.“

Ein besonderer Dank gebühre laut HBV, HLJ und LSV Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz und Ministerpräsident Volker Bouffier, der vor einem halben Jahr veranlasst habe, einen Runden Tisch „Insekten- und Gewässerschutz“ einzurichten. Vorausgegangen waren mehrtägige Protestaktionen vieler Bäuerinnen und Bauern im Februar in Wiesbaden. Die von HBV, HLJ und LSV organisierten öffentlichkeitswirksamen Aktionen standen unter der Überschrift „Insekten- und Gewässerschutz MIT der Landwirtschaft – Kooperation statt Verbote“. Diesem Ziel sind die Vertragspartner, das Land Hessen, Landwirtschafts- und Naturschutzverbände mit der jetzt geschlossenen Kooperationsvereinbarung einen großen Schritt nähergekommen. In vielen mehrstündigen Beratungen und Diskussionen haben alle Beteiligten des Runden Tisches Insekten- und Gewässerschutz auf Augenhöhe, respektvoll, konstruktiv und nicht zuletzt kompromissbereit zusammengearbeitet.

So ist es gelungen, im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben kooperative und möglichst auf Freiwilligkeit beruhende Vereinbarungen für mehr Natur-, Umwelt- und Klimaschutz in der Agrarlandschaft zu treffen.

Umfangreicher Maßnahmenkatalog, faktenbasierte Entscheidungen

HBV, HLJ und LSV begrüßten, dass diese Kooperationsvereinbarung langfristig angelegt ist, denn kurzfristige Erfolge, insbesondere im Gewässerschutz, seien nicht zu erwarten. Alle Beteiligten benötigten einen langen Atem. Erfreulich sei darüber hinaus, dass beispielsweise der Insektenschutz als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werde. Außerdem soll die Verbesserung der Gewässergüte gemeinsam angegangen werden.

Die hessischen Bäuerinnen und Bauern stellen sich den Herausforderungen im Natur-, Umwelt- und Klimaschutz, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die beschlossene Kooperationsvereinbarung biete dafür unter Berücksichtigung des Grundsatzes „Kooperation und Freiwilligkeit“ eine gute Basis.

Ab 2022 soll beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) ein Fachgebiet Biodiversitätsberatung und ein paritätisch besetzter Fachausschuss Biodiversität beim Kuratorium für das landwirtschaftliche und gartenbauliche Beratungswesen in Hessen eingerichtet werden. Des Weiteren geht es um den Ausbau des Vertragsnaturschutzes und die Einrichtung weiterer Landschaftspflegeverbände, die bislang schon in vielen hessischen Landkreisen existieren.

Schließlich ist es den Vertragspartnern besonders wichtig, dass alle eingeleiteten Maßnahmen auf faktenbasierten Entscheidungen und wissenschaftlicher Grundlage beruhen und einer Erfolgskontrolle unterzogen werden, die es ermöglicht, Nachjustierungen vorzunehmen.

Leistungen sollen honoriert werden

Die von den Landwirtinnen und Landwirten zu erbringenden freiwilligen Leistungen zum Schutz der natürlichen Ressourcen sollen laut Kooperationsvereinbarung durch Fördermittel des Landes Hessen honoriert werden. Aus Sicht der Landwirtschaft ist das eine unabdingbare Voraussetzung, denn Umwelt- und Naturschutzleistungen können nicht zum Nulltarif erfolgen. Der geplanten Reduzierung des Einsatzes von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln bis 2030 um 30 Prozent sollen ein Monitoring und eine Machbarkeitsstudie vorausgehen.

HBV, HLJ und LSV weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Bäuerinnen und Bauern ihre Hauptaufgabe darin sehen, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen sicherzustellen. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig eine verlässliche Lebensmittelversorgung, vor allem in Krisenzeiten, ist. Um die zunehmende Nachfrage nach Produkten aus der Region und damit aus hessischer Erzeugung zu gewährleisten, brauchen wir in unserem Bundesland eine leistungsfähige, flächendeckende Landwirtschaft.

Bei der Kooperationsvereinbarung Landwirtschaft und Naturschutz in Hessen handelt es sich um eine Vereinbarung zwischen

dem Land Hessen,
vertreten durch den Ministerpräsidenten Volker Bouffier und
die Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Priska Hinz,
dem BUND Landesverband Hessen e.V.,
dem Hessischen Bauernverband e.V.,
der HGON – Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.,
der Hessischen Landjugend e.V.,
dem LSV – Land schafft Verbindung Hessen e.V.,
des NABU Landesverband Hessen e.V. und
der VÖL – Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen e.V.

 

Foto: Hessische Staatskanzlei, Jonas Grom