Hessischer Bauernverband - Agrarpolitik und Verbandswesen
15.01.2019

Politik mit Augenmaß unerlässlich
Präsident Schmal will Dialog mit Landesregierung intensivieren

„2018 war für die meisten Bauernfamilien ein schwieriges Jahr. Die über Monate anhaltende Trockenheit und Dürre führte zu erheblichen Ertragseinbußen, die viele Betriebe, insbesondere Futterbaubetriebe, hart getroffen haben.“ Das sagte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, in seiner Begrüßungsansprache zur Eröffnung der 71. Landwirtschaftlichen Woche Nordhessen am 14. Januar vor rund 500 Besuchern in der Stadthalle Baunatal.   Die Nachwirkungen der Dürre würden in diesem Jahr auch im Landschaftsbild Spuren hinterlassen. Als Beispiel nannte er die trockenheitsbedingte Einschränkung des Rapsanbaus im Vergleich zum Erntejahr 2018 um mehr als ein Drittel auf geschätzte 36.000 Hektar. In Bezug auf die schmerzlichen Erlöseinbußen und die teuren Futterzukäufe dankte Schmal Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz, ihrem Ministerium, den nachgeordneten Dienststellen und der WI-Bank für die frühzeitige Auszahlung der Betriebsprämie und Ausgleichszulage. Dank gebühre auch den Verantwortlichen auf Bundes- und Landesebene für die bereitgestellten Dürrehilfen. Schmal kritisierte allerdings das viel zu komplizierte und aufwändige Antragsverfahren. „Was wir brauchen und seit langem fordern, ist ein gezieltes Risikomanagement, bestehend aus einer Risikoausgleichsrücklage, bezahlbaren Mehrgefahrenversicherungen und unterstützt durch staatliche Bürgschaften“, sagte Schmal.  
 
Worten müssen auch Taten folgen
 
Der von der schwarz-grünen Landesregierung kurz vor Weihnachten vorgestellte Koalitionsvertrag enthalte positive Ansätze. Er wecke aber auch hohe Erwartungen. Den wohlklingenden Worten „die Landwirtschaft in Hessen verdient unsere größte Wertschätzung“ müssten jetzt aber auch Taten folgen, appellierte Schmal an die Ministerin. Ein besonderes Anliegen seien die nach wie vor bestehenden politisch bedingten Probleme im Bereich der Schweinehaltung in punkto Ferkelkastration und das Kastenstandurteil. Sie müssten jetzt schnell angepackt und gelöst werden. Dem dramatischen Rückgang in der hessischen Sauenhaltung dürfe die Politik nicht tatenlos zuschauen. Im November 2018 wurden in Hessen nur noch 32.800 Zuchtsauen gezählt. Damit ist der Zuchtsauenbestand im Vergleich zum November 2017 um knapp 16 Prozent gesunken“, betonte Schmal. Der Durchschnittswert für Deutschland liege bei minus 3,8 Prozent. 2010 wurden in Hessen immerhin noch 54.400 Zuchtsauen in 1.450 Betrieben gehalten. Die Zahl der Zuchtsauenhalter habe sich mittlerweile mehr als halbiert und liege unter 700 Betrieben.    
 
Verschärfungen im Düngerecht überfordern Betriebe
 
Auch bei der Umsetzung der Düngeverordnung, einige Regelungen seien überzogen und nicht praxisgerecht und der Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln bestehe dringender Handlungsbedarf.   Weitere Verschärfungen im Düngerecht, die die EU-Kommission für Deutschland offensichtlich plane, überforderten die Betriebe. Der damit verbundene Aufwand und die Investitionskosten seien nicht zu schultern und bedeuteten am Ende das Aus einer bäuerlichen Landwirtschaft. Eines müsse klar sein: Ohne eine bedarfsgerechte Düngung und gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen könnten die notwendigen Erträge und Qualitäten nicht gesichert werden. „Wir Landwirte stehen für eine nachhaltige, tiergerechte, umwelt- und ressourcenschonende Produktion. Dafür ist eine Politik mit Augenmaß, die sich nicht über die Köpfe der Betroffenen hinwegsetzt, unerlässlich“, hob Schmal hervor. Um bessere Rahmenbedingungen für die hessischen Bauernfamilien zu schaffen, werde der Hessische Bauernverband den bisherigen konstruktiven Dialog mit der Landesregierung intensivieren.  
 
Markt verlangt heimische Ökoprodukte  
 
Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz gab in ihrer Rede zu, dass das Dürrehilfsprogramm von Bund und Ländern sehr bürokratisch sei. Man habe sich bemüht, das Beste daraus zu machen. „Ad-hoc-Hilfen können auf Dauer nicht die Lösung sein. Die Landwirtschaft muss sich klimafreundlicher aufstellen. Ein steuerlicher Risikoausgleich und staatlich unterstützte Versicherungslösungen können helfen“, so die Ministerin. Das Ziel der Landesregierung, den Ökolandbau bis zum Jahr 2025 auf 25 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche auszudehnen sei erreichbar, denn der Markt verlange nach heimischen Ökoprodukten. Sie wolle die konventionelle Landwirtschaft aber nicht ins Abseits stellen und sagte: „Wir brauchen insgesamt eine nachhaltige Landwirtschaft, egal ob ökologisch oder konventionell produziert wird.“ In Hessen gebe es keine sehr hohen Viehbestandsdichten und keine ausgeräumten Landschaften. Das müsse immer wieder herausgestellt werden. Bei der nach EU-Vorgaben erfolgten Neuabgrenzung der benachteiligten Gebiete, wonach ein Drittel der Gemarkungen aus der Gebietskulisse herausfalle, sei der politische Handlungsspielraum ausgeschöpft. Dennoch wolle man versuchen, in den kommenden zwei Jahren einen Teil der „verlorenen Gemarkungen“ zurückzugewinnen.   Dr. Peter Wehling, Leiter des Instituts für Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturen des Julius-Kühn-Instituts hielt einen Vortrag zum Thema: „Innovative Pflanzenzüchtung – Grundlage einer zukunftsfähigen Pflanzenproduktion“. An Beispielen zeigte er auf, welchen innovativen Beitrag die Pflanzenzüchtung leisten kann, um unsere Kulturpflanzen an die bedeutenden Herausforderungen in den Bereichen Klimawandel, Pflanzenschutz, Bioökonomie und Fruchtartenvielfalt anzupassen.