18.10.2018

Deutliche Ertragseinbußen bei Getreide, Winterraps und Hackfrüchten
HBV-Generalsekretär Voss-Fels: Extreme Trockenheit beeinträchtigt Ernte 2019

„Die hohen Temperaturen und vor allem die extreme Trockenheit der letzten Monate haben uns einmal mehr vor Augen geführt, dass die landwirtschaftlichen Erträge in hohem Maße von der Witterung abhängig sind.“ Das betonte der Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Peter Voss-Fels, bei einem Pressegespräch am Donnerstag (18. Oktober) in Lampertheim im Vorfeld des Landeserntedankfestes.  
Mit einer Gesamterntemenge von knapp 1,8 Millionen Tonnen Getreide hätten die hessischen Bauern rund 258.000 Tonnen oder 14,4 Prozent weniger Getreide geerntet als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Das sei die zweitschlechteste Ernte der letzten zehn Jahre. Nur 2012 lag die Getreideerntemenge mit 1,73 Millionen Tonnen noch darunter. Die Ursache waren damals gravierende Auswinterungsschäden in Weizen und in Wintergerste. Bei fast allen landwirtschaftlichen Kulturen habe es deutliche Ertragseinbußen gegeben. Nur Kirschen, Äpfel und Weinreben, die über ein tiefgehendes Wurzelwerk verfügen, hätten zugelegt.  
„Beim Winterraps, der als Ölfrucht und Lieferant von hochwertigem Rapsschrot eine große Bedeutung hat, waren die Bedingungen während der gesamten Wachstumsperiode sehr ungünstig“, so Voss-Fels. Während im Durchschnitt der letzten fünf Jahre in Hessen 38,1 Dezitonnen Winterraps je Hektar geerntet wurden, waren es in diesem Jahr gerade mal 29,2 Dezitonnen je Hektar und damit fast ein Viertel weniger.  

Winterrapsanbaufläche wird spürbar sinken  
Aufgrund der staubtrockenen Böden in der zweiten Augusthälfte und der ersten Septemberdekade – in dieser Zeit wird Winterraps hierzulande normalerweise ausgesät – ist die Aussaat vielerorts notgedrungen ausgeblieben. Deshalb muss damit gerechnet werden, dass die Winterrapsernte 2019 aufgrund einer spürbar verringerten Anbaufläche um bis zu 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sinken wird. Auch bei Kartoffeln und Zuckerrüben zeichnen sich gravierende Ertragseinbußen ab.  
„Die Rinderhalter leiden besonders unter der Futterknappheit“, hob der HBV-Generalsekretär hervor. Während der erste Silageschnitt noch zufriedenstellend ausfiel, waren weitere Schnitte oftmals nicht möglich, weil die Wiesen unter der sengenden Sonne verdorrten. Erschwerend kam hinzu, dass der Silomais in Form von kleineren Pflanzen und einer schwachen Kolbenausbildung an den meisten Standorten enttäuschte. In Hessen fehlen in diesem Jahr über 50 Prozent des sonst verfügbaren Grundfutters.  

Gewinnentwicklung uneinheitlich
 
„Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr* 2017/2018 ist der durchschnittliche Gewinn je Familienarbeitskraft in hessischen landwirtschaftlichen Betrieben nach einer ersten vorläufigen Auswertung von 38.634 Euro auf 43.629 Euro und damit um knapp 13 Prozent angestiegen“, sagte Voss-Fels. Er betonte ausdrücklich, dass dieser Gewinn keinesfalls mit dem Nettogehalt eines Arbeitnehmers zu vergleichen sei. Denn davon gingen noch die Sozialversicherungsbeiträge, Steuern und Nettoinvestitionen ab. „Die Gewinnentwicklung in den einzelnen Betriebsformen verlief jedoch uneinheitlich. Während die Milchviehbetriebe ihre Unternehmensergebnisse deutlich verbessern konnten, sind die Gewinne in den Ackerbau- und Veredlungsbetrieben (Schweine- und Geflügelhalter) um fast ein Viertel zurückgegangen“, so Voss-Fels. Gestiegene Milchpreise auf der einen Seite und gesunkene Erzeugerpreise im Schweine- und Geflügelsektor seien die Ursachen für diese gegenläufige Entwicklung.  

Die rund 300 ausgewerteten Betriebe bewirtschaften im Schnitt 109 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche, davon sind 79 Hektar gepachtet. Das entspricht einem Pachtflächenanteil von 72 Prozent. Die Unternehmen beschäftigen im Durchschnitt zwei Arbeitskräfte, darunter 1,4 Familienarbeitskräfte.