22.10.2018

Viel Anerkennung und Zuspruch für Bauernfamilien
Hessischer Bauernverband feiert Landeserntedankfest in Lampertheim

v.l.n.r. Präsident Karsten Schmal, Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser, Kirchenpräsident Dr. Volker Jung
Beim traditionellen Landeserntedankfest des Hessischen Bauernverbandes, das gestern in der Lampertheimer Domkirche gefeiert wurde, erhielten die Bauern sowohl vom hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Dr. Volker Jung als auch von Hessens Landwirtschaftsstaatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser viel Zuspruch und anerkennende Worte.  
„Ich weiß, dass viele Menschen in der Landwirtschaft darunter leiden, wie wenig offenbar ihre Arbeit in der Gesellschaft geschätzt wird. Geschätzt bedeutet immer zweierlei: eine Arbeit wird anerkannt, Menschen schauen mit Respekt auf alle, die die Arbeit tun. Und: Die Arbeit wird auch angemessen honoriert. An beidem fehlt es in einer Gesellschaft, in der das Natürliche als selbstverständlich gilt und die erwartet, dass Nahrungsmittel möglichst billig sind“, erklärte Jung. Es müsse aber um „gute, gerechte und faire Bedingungen gehen, so dass Menschen von ihrer Arbeit leben können“. Er forderte in seiner viel beachteten Festpredigt, dass die Leistungen von Landwirten künftig mehr anerkannt werden.  
In seinem Ernterückblick ging der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Starkenburg, Dr. Willi Billau, auf die trockenheitsbedingt schwierige Erntesaison von Spargel und Erdbeeren ein. Niedrige Preise und zu wenig Erntehelfer seien ein Problem gewesen. Bei Kartoffeln und Zwiebeln seien die Erträge zwar deutlich niedriger gewesen als im Vorjahr, dafür hätten die Bauern höhere Erzeugerpreise erzielen können.   Bei der anschließenden Kaffeetafel wies der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, darauf hin, dass die Futterbaubetriebe in besonderem Maße von der extremen Dürre betroffen seien. In Hessen fehlten über 50 Prozent des Grundfutters, weil die Erträge sowohl auf dem Grünland als auch beim Silomais äußerst dürftig ausgefallen seien. Es habe aber auch Landwirte gegeben, die sich in diesem Jahr über bessere Erträge freuen konnten, und zwar die Erzeuger von Kirschen, Äpfeln und Wein. Starke Frostschäden hätten bei ihnen im vergangenen Jahr allerdings zu hohen Verlusten geführt.  
„Während Bund und Länder beim Thema Dürre, nicht zuletzt aufgrund der hohen medialen Aufmerksamkeit, durchaus Verständnis für die Not der Bauern zeigen, vermissen wir in vielen anderen Bereichen an den Bedürfnissen unserer Betriebe orientierte Politikentscheidungen“, betonte Schmal. Wenn das so weiter gehe, würden gerade die von der Gesellschaft gewünschten kleineren Höfe aufgeben, was die Versorgung mit frischen, hochwertigen Produkten aus heimischer Erzeugung gefährde. „Aufgrund der umfassenden Berichterstattung in den Medien waren die Dürre und ihre Folgen in aller Munde. Eine mögliche Verknappung von Lebensmitteln gelangte plötzlich wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Bleibt zu hoffen, dass damit auch eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel und uns als Erzeuger einhergeht“, hob Schmal hervor. In Anbetracht der wachsenden Weltbevölkerung würden die Bauern mehr denn je gebraucht. Das sollte Selbstvertrauen, Mut und Zuversicht für die Zukunft geben.   Hessens Landwirtschaftsstaatsekretärin Dr. Beatrix Tappeser betonte: „Landwirtinnen und Landwirte gebührt großer Dank für ihre Arbeit. Leider spiegelt sich dies nicht in den Preisen für Lebensmittel wieder. Das muss sich ändern.“ Es könne nicht sein, dass von den Landwirten zu Recht verlangt werde, immer mehr Auflagen hinsichtlich Tierschutz und ökologischer Erzeugung zu erfüllen, die Gesellschaft aber gleichzeitig nicht bereit sei, einen entsprechenden Preis für Lebensmittel zu zahlen. Die Frage, wie eine moderne, innovative, umweltverträgliche und nachhaltige Landwirtschaft aussehen soll, werde das Ergebnis eines gesamtgesellschaftlichen Prozesses sein.  
Präsident Schmal dankte allen Akteuren, die zum Gelingen des Erntedankfestgottesdienstes beigetragen haben, insbesondere den Kirchenvertretern, dem Bezirkslandfrauenverein Heppenheim und der Landjugend Bergstraße, die gemeinsam die Erntekrone gebunden und den Altar wunderschön geschmückt haben. Das gilt ebenso für den Landfrauenverein Lampertheim, der unter der Leitung ihrer Vorsitzenden Marita Billau, für die Dekoration der Notkirche verantwortlich zeichnete. Die Trommlergruppe der Lampertheimer Landfrauen und die Line-Dance-Gruppe des Bezirkslandfrauenvereins Heppenheim kamen mit ihren Darbietungen bei den Erntedankfestbesuchern gut an.