17.10.2019

„Bauern sind verunsichert“
HBV-Generalsekretär Voss-Fels kritisiert unzureichende politische Rahmenbedingungen

„Mit einer Gesamtmenge von 2,2 Millionen Tonnen ist die hessische Getreideernte durchschnittlich ausgefallen. Der Schnitt der letzten sechs Jahre von 2,1 Millionen Tonnen wurde somit leicht und das von der Dürre geprägte schlechte Vorjahresergebnis von 1,7 Millionen Tonnen deutlich übertroffen.“ Das sagte der Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Peter Voss-Fels, bei einem Pressegespräch am Donnerstag (17. Oktober) in Gießen, im Vorfeld des Landeserntedankfestes.  
 
Allerdings sei die Getreideanbaufläche im Vergleich zum Vorjahr um 25.000 Hektar oder 8,8 Prozent ausgeweitet worden. Diese Ausdehnung gehe zurück auf eine entsprechende Einschränkung des Rapsanbaus, verursacht durch die extreme Trockenheit bei der Aussaat.  
 
Der durchschnittliche Getreideertrag liege in diesem Jahr bei 7,2 Tonnen je Hektar und damit eine Tonne oder rund 16 Prozent über dem Vorjahr. Die Erträge differierten in Abhängigkeit vom Standort und der Niederschlagsverteilung zum Teil erheblich.   Wegen der lang anhaltenden Trockenheit hätten viele Betriebe die Futterlücke aus dem Vorjahr nach dem ersten Silageschnitt nicht überall schließen können.
 
Aufgrund der fehlenden Niederschläge hätten auch Obstbäume gelitten. Äpfel, vor allem Streuobst und Kirschen, seien in diesem Jahr durchweg kleiner im Durchmesser.  
 
„Die Zuckerrübenernte ist jetzt in vollem Gange. Die Rübenerträge liegen etwas über dem schlechten Vorjahresniveau und leicht unter dem Schnitt der letzten sechs Jahre. Die Bandbreite der Erträge sei gravierend“, so Voss-Fels.
 
Betriebsergebnisse unbefriedigend
 
„Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2018/2019 ist der durchschnittliche Gewinn je Familienarbeitskraft in hessischen landwirtschaftlichen Betrieben von ca. 49.000 Euro auf rund 41.000 Euro laut einer ersten vorläufigen Auswertung gesunken“, erläuterte Voss-Fels und betonte ausdrücklich, dass dieser Gewinn nicht mit dem Nettogehalt eines Arbeitnehmers zu vergleichen sei. Denn davon gingen noch die Sozialversicherungsbeiträge, Steuern und Nettoinvestitionen ab.  
 
Von allen Betriebsformen hätten die Ackerbaubetriebe ihr Ergebnis leicht verbessern können, allerdings von einem niedrigen Niveau ausgehend. Dagegen verzeichneten die Milchvieh- und Veredlungsbetriebe (Schweine- und Geflügelhalter) deutliche Rückgänge in den Unternehmensergebnissen. Gesunkene Erzeugerpreise und gleichzeitig stark gestiegene Futterkosten seien die Ursachen.  
 
„Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2018/2019 sind sowohl die Brutto- als auch die Nettoinvestitionen im Vergleich zum vorausgegangenen Wirtschaftsjahr deutlich gesunken“, hob Voss-Fels hervor. Das sei kein gutes Zeichen. Es spiegele die Verunsicherung der Betriebsleiter, hervorgerufen durch die fehlende Planungssicherheit, wider.  
 
Schlechte Stimmung in der Landwirtschaft  
 
„Aus dem aktuellen Konjunkturbarometer Agrar des Deutschen Bauernverbandes geht hervor, dass sich die Stimmung in der Landwirtschaft seit den beiden letzten Erhebungen im März und Juni dieses Jahres deutlich verschlechtert hat“, hob Voss-Fels hervor. Nur 30 Prozent der Befragten wollten in den nächsten sechs Monaten investieren.  
 
Ein wesentlicher Grund für die schlechte Stimmung im landwirtschaftlichen Berufsstand sei das am 4. September vom Bundeskabinett verabschiedete Agrarpaket. Vor allem das Aktionsprogramm Insektenschutz habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Es sei unklar, ob der Insektenschutz und die Artenvielfalt dadurch wirklich verbessert werden könnten.
 
 
„Das Aktionsprogramm Insektenschutz wird von unseren Bauern nicht in seiner Zielsetzung, sondern wegen den damit verbundenen Verboten und Einschränkungen abgelehnt. Es muss grundlegend überarbeitet werden“, fordert der HBV-Generalsekretär. Die Maßnahmen müssten fachlich fundiert, praktikabel und wirtschaftlich tragfähig sein.
 
  „Die Bauern sind verunsichert. In ihrer Verzweiflung und Sorge um ihre Existenz beteiligen sich viele Landwirte an verschiedenen Aktionen und Demonstrationen“, so Voss-Fels.