14.01.2020

Präsident Schmal fordert Politik mit Augenmaß und Verlässlichkeit
Messstellen müssen auf den Prüfstand

„Acker- und Futterbaubetriebe litten auch im Jahr 2019 unter Trockenheit und Hitze. Gott sei Dank waren die Folgen nicht so gravierend wie im Vorjahr, so dass eine durchschnittliche Getreideernte eingefahren werden konnte. Grünland- und vor allem Winterrapserträge waren erneut unbefriedigend. Mehr als unbefriedigend waren dagegen eine ganze Reihe von Politikentscheidungen, die die Bauern zu Protesten auf die Straße getrieben haben“. Das betonte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, in seiner Begrüßungsansprache zum Auftakt der 72. Landwirtschaftlichen Woche Nordhessen vor rund 400 Besuchern gestern in Baunatal. Deshalb sei die Stimmung unter den deutschen Landwirten zu Beginn des neuen Jahrzehnts ausgesprochen angespannt. Angesichts der unbefriedigenden agrarpolitischen Rahmenbedingungen, in erster Linie verursacht durch das Anfang September letzten Jahres vom Bundeskabinett beschlossene Agrarpaket und die weitere Verschärfung der Düngeverordnung, sei die Bereitschaft der Landwirte für Investitionen so niedrig wie lange nicht mehr. Nur 30 Prozent der Betriebe wollten laut Konjunkturbarometer Agrar des Deutschen Bauernverbandes in den kommenden Monaten investieren. Auch von den Agrarmärkten gingen derzeit kaum positive Signale aus.

„Wir Bauern stehen zum Insektenschutz, Gewässerschutz und Klimaschutz und setzen auf kooperative Lösungen“, betonte Schmal. Dazu sei eine Politik mit Augenmaß notwendig. Politikentscheidungen müssten auf wissenschaftlichen Fakten basieren, wirtschaftlich tragfähig und vor allem verlässlich sein. In Bezug auf den Insektenschutz hob Schmal das zunehmende Engagement der hessischen Bauern bei der Anlage von Blühstreifen hervor. Im vergangenen Jahr hätten die Landwirte mit 16.000 Kilogramm Saatgut auf freiwilliger Basis fünf Meter breite Blühstreifen in einer Gesamtlänge von 3.200 Kilometern in Hessen angelegt. Hierbei habe sich die gute Zusammenarbeit mit dem hessischen Landwirtschaftsministerium und dem Landesverband der Imker bewährt. Die Landwirte seien gerne bereit, noch mehr zu tun. Dazu müssten aber auch im Rahmen der europäischen Agrarpolitik Hemmnisse abgebaut und zusätzliche Anreize geschaffen werden.

Messstellen müssen auf den Prüfstand

Heftige Kritik übte Präsident Schmal an der weiteren Verschärfung der Düngeverordnung, insbesondere an den großflächig ausgewiesenen roten Gebieten und den dort geltenden Einschränkungen bei der Stickstoffdüngung. Die zugrundeliegenden Messstellen und die Messstellenergebnisse müssten unbedingt auf den Prüfstand und dringend neu bewertet werden. Eine mehrere Landkreise übergreifende pauschale Reduzierung der Stickstoffdüngung um 20 Prozent unter dem Pflanzenbedarf sei fachlich nicht zu begründen. Die vom Handel und von Verbrauchern gewünschten Qualitäten seien so nicht zu erzielen. Das generelle Düngeverbot zu Zwischenfrüchten laufe dem Gewässerschutz zuwider. Präsident Schmal forderte eine deutliche Verringerung der roten Gebiete auf die tatsächlichen Problemzonen. Dazu sei eine Verpflichtung der Länder zur Binnendifferenzierung erforderlich.

Mit Blick auf die zunehmende Ausbreitung von Wölfen, die vor allem in Nord-, Mittel- und Osthessen im vergangenen Jahr zahlreiche Schafe gerissen hätten, forderte Schmal ein aktives Wolfsmanagement. Die von Ministerin Hinz propagierten Herdenschutzmaßnahmen seien sehr teuer, arbeitsaufwändig und böten am Ende doch keinen sicheren Schutz. Es könne nicht sein, dass Wölfe hierzulande einen höheren Stellenwert hätten als Rinder, Schafe und Ziegen.

„Dünge- und Pflanzenschutzmittel wurden noch nie so präzise ausgebracht wie heute, nach guter fachlicher Praxis und verantwortungsbewusst. Die Verbraucher können sich auf sichere, gesunde und qualitativ hochwertige Lebensmittel zu sehr günstigen Preisen verlassen“, hob Schmal hervor. „Damit das so bleibt, brauchen wir eine Politik mit Augenmaß, die unserer Landwirtschaft Perspektiven eröffnet, anstatt sie abzuwürgen. Wir wollen die regionalen und internationalen Märkte bedienen. Noch ist das Potential dazu vorhanden. Vor allem unsere Jugend, die sehr gut ausgebildet und motiviert ist, braucht Perspektiven und unternehmerische Freiräume“, sagte Schmal weiter und appellierte an alle politischen Entscheidungsträger auf Landes-, Bundesebene und in Europa, verlässliche Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft zu schaffen.