27.04.2018

Gelb blühende Rapsfelder bereichern das Landschaftsbild
Pressegespräch zur Rapsblüte in Hessen in Frankfurt-Harheim

Die Teilnehmer des Rapsblütenpressegesprächs am 26.04.2018 in Frankfurt-Harheim
„Aufgrund der häufigen Niederschläge im August und September letzten Jahres waren die Aussaatbedingungen für den Raps unbefriedigend. Dennoch haben sich die meisten Bestände über den Winter gut entwickelt. Sommerliche Temperaturen im April mit viel Sonnenschein haben dazu geführt, dass sich die Rapsfelder jetzt insbesondere in Südhessen mit ihren leuchtend gelben Blüten von ihrer schönsten Seite präsentieren.“ Das betonte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, bei einem Pressegespräch am Donnerstag (26. April) auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Axel Schmidt in Frankfurt am Main-Harheim. Die Kälte im März und Hitze im April hätten dazu geführt, dass die Blüte schnell einsetzte, allerdings auf Kosten des Längenwachstums und der Verzweigung der Rapspflanzen. Dies werde voraussichtlich Ertrag kosten.  
 
Nach einer Prognose der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) werden in Hessen in diesem Jahr rund 55.000 Hektar Raps angebaut. Im Vorjahr waren es noch 58.000 Hektar. Das entspricht einem Anbaurückgang von circa 5 Prozent. Nachdem es nach der Jahrtausendwende mit dem Rapsanbau in Hessen stetig bergauf ging, ist die Winterrapsanbaufläche seit 2010, als noch 66.800 Hektar mit dieser Ölpflanze bestellt waren, kontinuierlich gesunken.
 
Blühflächen werden deutlich ausgeweitet  
 
Präsident Schmal wies darauf hin, dass sich nicht nur die Menschen an den blühenden Rapsfeldern erfreuen, sondern auch die Bienen dort ihre Nahrung finden. Von einem Hektar Raps könnten im Durchschnitt 55 Kilogramm oder 80 Gläser Rapshonig gewonnen werden. Problematisch werde es allerdings für Honig- und Wildbienen, wenn der Raps und die Obstbäume verblüht seien. Dann fehle es ihnen an Nahrung. Das hätten die hessischen Bauern erkannt und deshalb im vergangenen Frühjahr damit begonnen, Blühflächen anzulegen, und zwar im Rahmen der gemeinsamen Initiative des Hessischen Landwirtschaftsministeriums, des Landesverbandes hessischer Imker und des Hessischen Bauernverbandes, genannt „Bienenfreundliches Hessen“. „Während im vergangenen Jahr insgesamt rund 1.000 Kilogramm Blühstreifensaatgut ausgesät wurde, werden es in diesem Jahr mehr als 8.000 Kilogramm sein. Dies verdeutlicht, dass unseren Bauern sehr daran gelegen ist, die Nahrungslücke für bestäubende Insekten nach der Rapsblüte zu schließen.“   Präsident Schmal ging auch auf die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten des Rapsöls, unter anderem als Biokraftstoff, Eiweißfutter für Rinder, Schweine und Geflügel sowie das ernährungsphysiologisch sehr wertvolle Rapsspeiseöl ein. Schmal beklagte die gesunkenen Rapsölpreise, die etwa 100 Euro je Tonne unter dem Vorjahresniveau lägen. Dumpingimporte aus Argentinien und Indonesien würden die Wirtschaftlichkeit des europäischen Rapsanbaus damit gefährden. Dumpingimporte aus Argentinien nach Europa sind das Ergebnis von Schutzzöllen, mit denen der amerikanische Präsident Trump argentinische Rapsölimporte in die USA belegt. „Wir erwarten von der EU-Kommission und den Mitgliedsstaaten, die drohenden Dumpingimporte von geschätzten 3 bis 5 Millionen Tonnen aus Argentinien und Indonesien aufgrund unfairer Handelspraktiken zu unterbinden.“
 
Rapsöl reicht für Vorfeld des Frankfurter Flughafens
 
„Die Landwirte der Hessischen Erzeugerorganisation für Raps (HERA) vermarkten gemeinsam den Rapsertrag von 10.000 Hektar Anbaufläche. Daraus entstehen 16.000 Tonnen Rapsöl. Diese Biodieselmenge würde ausreichen, um die auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens verbrauchte Dieselmenge von circa 10.000 Tonnen pro Jahr zu ersetzen.“ Darauf wies HERA-Vorsitzender Heinrich Fritz-Emmerich hin. Die Biodieselvermarktung stocke seit diesem Winter. Die EU habe die Importzölle für Biodiesel aus Soja- und Palmöl aufgehoben. Ein Teil der Rapsölmengen werde von Biodiesel aus Argentinien und Indonesien verdrängt.   „Mit sinkendem Absatz drosseln die Ölmühlen die Rapsverarbeitung, dadurch fallen die Rapspreise. Parallel wird weniger gentechnikfreies, heimisches Eiweißfutter aus Rapsschrot erzeugt und mehr Sojaschrot importiert. Die über lange Jahre aufgebauten Kreisläufe werden damit gestört“, so Fritz-Emmerich.   Die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft hätten als Nahrungsquelle für Bienenvölker insgesamt 40 Hektar Blühstreifen ausgesät. Blühpflanzen, wie zum Beispiel Phacelia, Lupinen, Inkarnatklee, Sonnenblume und Malven, bieten nicht nur der Honigbiene, sondern auch allen wild lebenden Insekten, dem Niederwild und der Vogelwelt eine Erweiterung im Nahrungsangebot.