30.06.2022
Friedrichsdorf – Rekordverdächtig früh, bereits Ende der zweiten Juniwoche, hat in Südhessen die Wintergerstenernte 2022
begonnen.
Mähdrescher
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Auswirkung der Hitzeperiode bleibt abzuwarten

„Damit sind die hessischen Landwirte mit dem Start in die Getreideernte in diesem Jahr rund zwei
Wochen früher als im vergangenen Jahr.“, stellt der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten
Schmal, fest. Die vielen heißen Frühsommertage der zweiten Junihälfte ließen die Druscharbeiten nun bis in die
Mitte Hessens voranschreiten. Besonders die hohen Temperaturen um den Monatswechsel Mai/Juni und in
den ersten Tagen des Junis haben die Ernteplanung entscheidend geprägt, frühe Wintergerstenbestände sind
entsprechend zügig abgereift. Insbesondere im Hessischen Ried und auf weiteren Standorten mit hohem Sandanteil
im Boden ist die Wintergerstenernte bereits weitestgehend abgeschlossen.

Jüngste Niederschläge helfen nicht mehr allen Kulturen
Zuletzt wurden die Erntearbeiten vielerorts durch einsetzende Niederschläge unterbrochen. Schmal ergänzt:
„Niederschläge, die aber dringend nötig waren. Für Getreidekulturen in den hessischen Spätdruschgebieten
sowie für alle Herbstkulturen ist der weitere Witterungsverlauf mit ausreichend und gut verteilten Niederschlägen
in den kommenden Monaten entscheidend für Ertrag und Qualität.“ Im Hessischen Ried hingegen steht
nun der Beginn der Weizenernte kurz bevor. Die ersten frühen Sorten werden je nach Wetterlage wohl in den
nächsten Tagen im Korntank der Mähdrescher landen.

Erträge bei Wintergerste im Durchschnitt – Qualitäten durch Hitze beeinflusst?
Erste Ertragsmeldungen lassen bei der Wintergerste auf ein durchschnittliches Ernteergebnis schließen. Trotz
partiell starker Gewitterschauer sind Lagergetreide oder Sturmschäden bisher noch kein Thema. Im schlimmsten
Fall können flachliegende Bestände nicht nur den Drusch erschweren, sondern auch die Qualitäten ins Negative
beeinflussen. Auch die frühsommerliche Hitzeperiode mag Auswirkungen auf die Kornqualitäten durch
fehlende Vollkornanteile oder schwächere Eiweißgehalte haben.

Gute Bedingungen für Weizen und Raps im Frühjahr
Feuchte Witterungsbedingungen im Frühjahr haben die Wasserspeicher in den Böden gefüllt. Das gute Wachstum
der Winterweizenbestände ließ auf ein gutes Erntejahr hoffen. In weiten Landesteilen war der Mai und
auch der Junianfang jedoch von einigen Hitzetagen und ausbleibenden Niederschlägen geprägt. Je nach Eigenschaften der Sorten – früh- oder spätreifend – kann dies zu einer Notreife und dem vorzeitigen Ende der Kornfüllungsphase geführt haben. Regional zeigen sich einzelne weiße Ähren in den Beständen, die auf einen „Sonnenbrand“ hindeuten. Wie sich diese einigerorts schnelle Entwicklung hin zur Abreife der Bestände auf den
Ertrag auswirkt, lässt sich noch nicht abschätzen. Bisher kann allerdings auch beim Weizen noch von einer
durchschnittlichen Ernte ausgegangen werden. Größere regionale Unterschiede sind zu erwarten. Mit einer gleichmäßigen Blüte haben sich die Rapsbestände in diesem Jahr erfreulich gut über weite Landes-teile hinweg präsentiert. Damit kann mit guten Erträgen gerechnet werden. In südlicheren Anbaugebieten hat die Hitzewelle aber auch dem Raps zugesetzt.

Situation Grünland und Aussicht Herbstkulturen
Mit Blick auf das Grünland war besonders der erste Schnitt für die Landwirte vielversprechend. Ausreichend Frühjahrsniederschläge sicherten die gute Entwicklung. Auch die Heuernte ist unter trockenen Bedingungen in Hessen weit vorangeschritten. Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln haben von den Niederschlägen der vergangenen Tage profitiert. Die Bestände können an den guten Eindruck aus der Frühjahrsentwicklung anschließen. Vor allem im Süden und der Mitte Hessens gibt es jedoch erhebliche Bestandslücken bei Mais und Zuckerrüben durch Krähenfraß.

Mit Bitte um Verständnis
„Aufgrund der jetzt anstehenden Erntearbeiten werden in den nächsten Wochen auf den Straßen vermehrt langsam fahrende Erntemaschinen und Traktoren unterwegs sein“, erläutert Schmal weiter. Deshalb bittet er alle Verkehrsteilnehmer um Verständnis und gibt zu bedenken, dass auf den Anhängern mit Getreide und Raps Lebensmittel und Futter transportiert werden. Gegenseitige Rücksichtnahme sei das Gebot der Stunde.