Hessische Landwirtschaft unter Druck
Die landwirtschaftlichen Familienbetriebe in Hessen und in Deutschland stehen vor erheblichen Herausforderungen. Einerseits nehmen Extremwetterereignisse wie Dürre, Starkregen, Frost und Hagel spürbar zu. Andererseits sorgen hohe Produktionskosten, volatile Märkte und zusätzliche politische Vorgaben für erhebliche wirtschaftliche Belastungen. Die aktuelle Situation macht deutlich, dass die Widerstandsfähigkeit der Betriebe gestärkt werden muss. Resilienz entsteht nicht durch politische Ankündigungen, sondern durch konkrete Maßnahmen, die den Betrieben Liquidität, Planungssicherheit und Zukunftsperspektiven geben.
Der Deutsche Bauernverband und der Hessische Bauernverband haben die klaren Erwartungen des Berufsstandes in Form des Positionspapiers adressiert.
Liquidität sichern und Betriebe stabilisieren
Viele hessische Betriebe benötigen kurzfristig finanzielle Entlastungen, um ihre Handlungsfähigkeit zu erhalten. Der Hessische Bauernverband fordert deshalb kurzfristige unbürokratischen Liquiditätsmaßnahmen. Dazu gehören zinsfreie bzw. zinsverbilligte Liquiditätsdarlehen über die Rentenbank, längere Darlehenslaufzeiten, vereinfachte Steuerstundungen sowie Bürgschaften von Bund und Ländern. Ziel ist es, wirtschaftlich gesunde Betriebe durch schwierige Marktphasen zu begleiten und ihre Existenz langfristig zu sichern.
Risikoausgleichsrücklage stärken die Eigenvorsorge
Landwirtschaftliche Unternehmer müssen in guten Jahren Vorsorge für schlechte Jahre treffen können. Der Hessische Bauernverband fordert daher die sofortige Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage und die damit verbundene Umsetzung des Koalitionsvertrages. Damit erhalten Betriebe die Möglichkeit, finanzielle Reserven für Wetter- und Marktkrisen aufzubauen und ihre Eigenverantwortung zu stärken. Gerade in Zeiten zunehmender Unsicherheiten ist eine solche Rücklage ein wirksames Instrument, um Krisen eigenständig bewältigen zu können.
Mehrgefahrenversicherung: Hessen muss seine Zusagen einlösen
Die Folgen des Klimawandels sind für die Landwirtschaft längst Realität. Gleichzeitig stoßen betriebliche Anpassungsstrategien an wirtschaftliche Grenzen. Deshalb bleibt die Einführung einer geförderten Mehrgefahrenversicherung eine der zentralen agrarpolitischen Forderungen des Hessischen Bauernverbandes.
Eine Mehrgefahrenversicherung schützt landwirtschaftliche Betriebe gegen verschiedene Wetterrisiken wie Dürre, Starkregen, Hagel oder Frost und schafft damit mehr wirtschaftliche Stabilität und Planungssicherheit. Sie stärkt die Eigenvorsorge und reduziert die Abhängigkeit von staatlichen Ad-hoc-Hilfen.
Die im Koalitionsvertrag angekündigte „Hessen-Police“ muss von der Landesregierung umgesetzt werden und sich zugleich für eine dauerhafte Förderung von Mehrgefahrenversicherungen in der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) einsetzen.
Wettbewerbsfähigkeit durch Kostenentlastung stärken
Die Landwirtschaft steht im europäischen Wettbewerb. Deshalb dürfen steigende Lohn-, Sozialversicherungs- und Energiekosten nicht zu einem dauerhaften Standortnachteil werden. Der Hessische Bauernverband fordert Entlastungen bei den SVLFG-Beiträgen, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Saisonarbeitskräfte sowie steuerliche Vorteile für erneuerbare und biobasierte Energieträger. Nur wirtschaftlich tragfähige Betriebe können investieren, Arbeitsplätze sichern und neue Anforderungen erfüllen.
Bürokratie abbauen und Planungssicherheit schaffen
Viele Betriebe leiden mittlerweile nicht nur unter wirtschaftlichem Druck, sondern auch unter einer stetig wachsenden Regulierungsdichte. Zusätzliche Dokumentations-, Melde- und Kontrollpflichten binden Arbeitszeit und Ressourcen, die auf den Höfen dringend benötigt werden.
Der Hessische Bauernverband fordert deshalb ein Moratorium für neue Belastungen. Bestehende Vorschriften müssen überprüft und praxisgerecht ausgestaltet werden. Gleichzeitig braucht es eine konsequente Entbürokratisierung, mehr Vertrauen in die Betriebe sowie innovationsfreundliche Rahmenbedingungen in den Bereichen Forschung, Beratung und Züchtung. Der angekündigte Bürokratieabbau auf EU-, Bundes- und Landesebene muss spürbar auf den Höfen ankommen.
Versorgungssicherheit beginnt auf dem Acker
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Ernährungssicherheit keine Selbstverständlichkeit ist. Die Landwirtschaft produziert nicht nur Lebensmittel, sondern trägt auch zur Energieversorgung und zur Stabilität des ländlichen Raums bei.
Deshalb fordert der Hessische Bauernverband stärkere Investitionen in Wassermanagement, Bewässerung, Klimaanpassung und erneuerbare Energien. Die heimische Lebensmittelproduktion muss als strategische Aufgabe verstanden werden. Wer Versorgungssicherheit erhalten will, muss die wirtschaftlichen Grundlagen der landwirtschaftlichen Betriebe stärken.
Eine starke GAP ist Voraussetzung für resiliente Betriebe
Neben den aktuellen Herausforderungen wird die zukünftige Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 entscheidend für die Entwicklung der Landwirtschaft sein. Mit der Freiburger Erklärung des Deutschen Bauerntages hat der Berufsstand ein klares Signal für eine starke, eigenständige und verlässlich finanzierte Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 gesetzt. Die Gemeinsame Agrarpolitik ist weit mehr ist als ein Förderinstrument. Sie sichert Einkommen, stabilisiert Märkte, stärkt ländliche Räume und trägt wesentlich zur europäischen Versorgungssicherheit bei.
Der Hessische Bauernverband fordert eine starke und eigenständige Gemeinsame Agrarpolitik, die landwirtschaftliche Einkommen sichert, Bürokratie abbaut und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stärkt. Zusätzliche Anforderungen im Klima-, Natur- oder Tierwohlbereich dürfen nicht zulasten der landwirtschaftlichen Einkommen finanziert werden. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft braucht eine starke und verlässlich ausgestattete GAP.
Politische Forderungen des Hessischen Bauernverbandes
- Liquidität sichern: Unbürokratische Darlehen, steuerliche Entlastungen und Bürgschaften für landwirtschaftliche Betriebe.
- Risikovorsorge stärken: Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage für Wetter- und Marktkrisen.
- Mehrgefahrenversicherung umsetzen: Wetterrisiken absichern und die Förderung dauerhaft verankern.
- Kosten senken: Entlastungen bei Löhnen, Sozialabgaben und Energiekosten schaffen.
- Bürokratie abbauen: Keine neuen Auflagen ohne spürbare Entlastungen an anderer Stelle.
- Futterversorgung sichern: Unterstützung bei Futterzukäufen und Transportkosten.
- Planungssicherheit erhöhen: Düngerecht, Tierhaltung und Pflanzenschutz praxistauglich gestalten.
- Versorgungssicherheit stärken: Investitionen in Wasser, Klimaanpassung und erneuerbare Energien fördern.
- Starke GAP sichern: Eigenständiges Agrarbudget erhalten und landwirtschaftliche Einkommen absichern.
Denn nur wirtschaftlich stabile und widerstandsfähige Betriebe können langfristig ihre zentrale Aufgabe erfüllen: die sichere Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln aus Hessen und Deutschland.