Ernährungssicherheit beginnt auf den Höfen - Ein Kommentar

17.02.2026
Sicherheit wird in München diskutiert – doch sie beginnt nicht beim Militär. Ernährungssicherheit ist Voraussetzung für Stabilität. Wer über Sicherheit spricht, muss auch über Landwirtschaft sprechen: wettbewerbsfähig, planbar, heimisch.
Standpunkt
MSC
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Eigentlich sind Münchener Sicherheitskonferenzen kein grundfester agrarpolitischer Kalendereintrag – zumindest war das in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht so. Nun schaut die Branche allerdings deutlich geschärfter auf die Entwicklungen in München und gleichzeitig steht sie in einem zwar nicht neuen, aber klarerem Fokus. Während in München über Sicherheit im Kontext von Kriegen, Bündnissen, geopolitischen Unsicherheiten, über Waffen, Wege, Wirkungen gesprochen wird, ist es notwendig, dieses Bild zu vervollständigen.

“Wirtschaft und Verteidigung – resiliente Transportketten”, “Wie wehrbereit ist Deutschland” lauten typische Veranstaltungsformate heutzutage. Doch Sicherheit endet nicht an Grenzen und beginnt nicht mit Militär. Sie beginnt viel früher. Sie beginnt mit Versorgung und einer wettbewerbsfähigen, zukunftsfähigen Landwirtschaft. 

Dass Ernährungssicherheit inzwischen auf der Agenda der Münchener Sicherheitskonferenz steht, ist ein Eingeständnis einer einfachen Wahrheit: Wer Menschen nicht ernähren kann, kann Gesellschaften nicht stabilisieren. Hunger ist kein Randphänomen, sondern ein Brandbeschleuniger und eine leider mehr denn je globale humanitäre Herausforderung.

Wer in München über Sicherheit spricht, muss deshalb auch klar über Landwirtschaft sprechen.

Versorgungssicherheit entsteht zwar ein wenig auch auf Konferenzen, aber natürlich vor allem direkt auf den Höfen. Sie ist das Ergebnis täglicher Arbeit auf dem Acker und in den Ställen. Und genau diese Basis gerät leider zunehmend unter Druck.

Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Landwirtschaft wird seit Jahren geschwächt: Durch steigende Kosten, ausufernde Bürokratie, immer neue Auflagen und politische Entscheidungen ohne langfristige Perspektive und vor allem ohne Umsetzbarkeits- und Praxischeck. Vieles mag gut gemeint und von vermeintlich höherem Nutzen sein. Gut gemacht ist es häufig nicht. Denn es gefährdet genau das, was man schützen will.

Eine Landwirtschaft ohne Planungssicherheit ist keine Sicherheitsgarantie. Eine Landwirtschaft ohne Wettbewerbsfähigkeit ist kein Stabilitätsanker. Wer Ernährungssicherheit ernst meint, muss sie ermöglichen – nicht regulieren bis zur Handlungsunfähigkeit.

Ernährungssicherheit lässt sich nicht auslagern. Wer glaubt, man könne Produktion dauerhaft in andere Weltregionen verlegen und sich im Ernstfall beliefern lassen, verkennt die Realität geopolitischer Krisen. Abhängigkeiten sind kein Sicherheitskonzept. Sie sind ein Risiko.

Deshalb ist klar: Eine starke heimische Landwirtschaft sichert die Ernährungssicherheit. Sie gehört ins Zentrum sicherheitspolitischen Denkens – nicht an den Rand politischer Abwägungen. Ernährungssicherheit muss als staatliche Kernaufgabe anerkannt und verbindlich im Grundgesetz verankert werden.

Die Landwirtschaft kann liefern. Sie will liefern. Sie ist bereit, diese Leistung zu erbringen: hochwertige, sichere Lebensmittel – Tag für Tag. Aber sie braucht dafür die richtigen Rahmenbedingungen.

Was heißt das konkret? Ein Politikwechsel, der nicht nur angekündigt, sondern umgesetzt wird. Eine Politik, die Vertrauen schafft statt Misstrauen. Wettbewerbsgleichheit innerhalb der EU. Spürbarer Bürokratieabbau der auf den Höfen ankommt. Verlässliche Regeln, die länger gelten als eine Legislaturperiode. Und tatsächlich auch einmal die politische Kraft, eingeschlagene legislative Wege auch wieder umzukehren. Eine absehbar alle Beteiligten überfordernde und damit am Ziel derart vorbeischießende Naturwiederherstellungsinitiative lässt an dieser Stelle grüßen.

So entstehen Investitionen, so entstehen Perspektiven. So bleibt Versorgung gesichert.

Porträt Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

Generalsekretär, M. Sc. agr.

Sebastian Schneider ist Generalsekretär beim Hessischen Bauernverband und war in seiner vorherigen Position als Referent zuständig für die Agrar-, Struktur und Förderpolitik. In diesem Zusammenhang insbesondere für die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP), Agrarumweltmaßnahmen des Landes Hessen (HALM), Investitionsförderung und allgemeine betriebswirtschaftliche, klima- und energiepolitische Fragen.

Paul Hübner

Paul Hübner

Referent, M.Sc. agr.

Paul Hübner ist beim Hessischen Bauernverband Referent für Agrar- und Umweltpolitik & Ökonomie. In diesem Zusammenhang insbesondere für die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP), Agrarumweltmaßnahmen des Landes Hessen (HALM), Investitionsförderung und allgemeine betriebswirtschaftliche, klima- und energiepolitische Fragen.