Die militärische Eskalation im Iran und die angespannte Lage im Nahen Osten wirken sich auch auf die Landwirtschaft in Hessen aus. Die global vernetzten Agrar- und Energiemärkte sorgen dafür, dass geopolitische Krisen spürbare Folgen bis auf die hiesigen Höfe haben.
Hessische Landwirtinnen und Landwirte beziehen ihre Düngemittel über den regulären Agrarhandel. Diese Lieferketten sind international organisiert und können unterschiedliche Herkunftsregionen umfassen. Für die einzelnen Betriebe ist dabei weniger entscheidend, aus welchem Land ein Produkt stammt, sondern ob es verfügbar ist und zu welchem Preis. Aktuell gilt: Die Versorgung mit Düngemitteln ist gesichert, allerdings nur zu deutlich höheren Preisen als zuvor. Stickstoffdünger werden in hohem Maße aus Erdgas hergestellt. Steigende Energiepreise schlagen deshalb unmittelbar auf die Düngerpreise durch.
Energieabhängigkeit als strukturelles Risiko
Der Konflikt im Iran verdeutlicht erneut die starke Abhängigkeit des Ackerbaus von fossilen Energieträgern. Diesel für Feld- und Hofarbeiten sowie Erdgas für die Herstellung von Mineraldüngern sind zentrale Produktionsfaktoren. Kommt es auf den Energiemärkten zu Verwerfungen, reagieren die Preise für diese Betriebsmittel sehr schnell. Diese Entwicklung betrifft alle landwirtschaftlichen Betriebe in Hessen, unabhängig von Betriebsgröße oder Produktionsrichtung.
Ungünstiger Zeitpunkt für die Betriebe
Der Preisanstieg trifft die Landwirtschaft in einer besonders sensiblen Phase. Die Frühjahrsbestellung ist in vollem Gange, viele Feldarbeiten und Düngegaben sind fachlich und zeitlich festgelegt. Sie lassen sich weder beliebig verschieben noch vollständig einsparen. Die Reaktionszeit für betriebliche Anpassungen war dementsprechend kurz.
Zwar haben einige Betriebe einen Teil ihres Düngers frühzeitig gekauft, andere mussten jedoch zu den aktuell stark gestiegenen Preisen nachkaufen. Dadurch erhöht sich der wirtschaftliche Druck innerhalb eines ohnehin eng getakteten Produktionsjahres.
Wirtschaftliche Belastungen ohne Ausgleich
Die zusätzlichen Kosten lassen sich kurzfristig kaum kompensieren. Besonders problematisch ist, dass sich die steigenden Ausgaben für Energie und Betriebsmittel bislang nicht in höheren Erzeugerpreisen widerspiegeln. Die Preise für landwirtschaftliche Produkte entwickeln sich deutlich langsamer. Es entsteht ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen Produktionskosten und Einnahmen. Dieses Missverhältnis gefährdet die wirtschaftliche Stabilität vieler Betriebe und verschärft bestehende strukturelle Herausforderungen.
Hessische Ernten in Gefahr?
Derzeit sind die Ernten in Hessen nicht unmittelbar in Gefahr. Hält der Kostendruck jedoch über einen längeren Zeitraum an oder verschlechtert sich die Versorgungslage bei Düngemitteln, könnten sich negative Effekte einstellen. Wer aufgrund extrem hoher Preise gezwungen ist, den Düngereinsatz zu reduzieren, riskiert schwächere Pflanzenbestände und geringere Erträge.
Verlässliche Rahmenbedingungen sind entscheidend
Die hessische Landwirtschaft ist belastet, aber handlungsfähig. Entscheidend sind verlässliche politische Rahmenbedingungen, bezahlbare Energie und Betriebsmittel sowie realistische Erlöse für landwirtschaftliche Produkte. Geopolitische Krisen wie der Iran-Krieg machen deutlich, wie wichtig es ist, die fossile Abhängigkeit zu reduzieren und gleichzeitig die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Betriebe zu sichern.
Politische Forderungen des Hessischen Bauernverbandes
Aufgrund der aktuellen Entwicklungen fordert der Hessische Bauernverband kurzfristige und wirksame Entlastungen für die landwirtschaftlichen Betriebe. Eine zentrale Maßnahme ist die Aussetzung der CO₂-Bepreisung auf Diesel, wie sie bereits vom Deutschen Bauernverband gefordert wird. Davon würde nicht nur die Landwirtschaft profitieren, sondern auch andere Wirtschaftsbereiche, die auf eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung angewiesen sind. Bleibt die aktuelle Kostenbelastung über einen längeren Zeitraum bestehen, drohen spürbare strukturelle Folgen für die Landwirtschaft – bis hin zur Aufgabe weiterer Betriebe. Das kann weder im Interesse der Versorgungssicherheit noch der Entwicklung des ländlichen Raums liegen.
Gibt es Lösungsvorschläge?
Gleichzeitig wird es immer wichtiger, die Potenziale von Biogas konsequent zu nutzen. Biogas leistet einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung, stärkt die regionale Wertschöpfung und erhöht die Resilienz landwirtschaftlicher Betriebe. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten zeigt sich, wie bedeutend heimische, steuerbare Energiequellen sind.
Derzeit sind die politischen Rahmenbedingungen für Biogas jedoch nicht ausreichend. Das Ausschreibungsvolumen ist zu gering, der Weiterbetrieb bestehender Anlagen vielfach unsicher und die Regelungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu restriktiv. Der Hessische Bauernverband fordert daher eine deutliche Erhöhung des Ausschreibungsvolumens. Insbesondere die Flexibilisierung und die Fähigkeit zur Grundlastversorgung müssen stärker honoriert werden. Zudem muss Biogas als systemrelevant für die Versorgungssicherheit anerkannt und verbindlich in die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung integriert werden.
Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich: Eine krisenfeste Landwirtschaft braucht Entlastungen bei den Kosten, realistische energiepolitische Entscheidungen und eine klare Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten. Nur so lassen sich wirtschaftlich stabile Betriebe, Versorgungssicherheit und ein lebendiger ländlicher Raum dauerhaft sichern.