Hessischer Bauerntag setzt Zeichen für Zusammenhalt und Zukunft

22.05.2026
Karsten Schmal Hessischer Bauerntag 2026
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80 Jahre HBV: Kein Blick zurück, sondern nach vorne

Beim Hessischen Bauerntag in Wartenberg feierte der Hessische Bauernverband (HBV) heute sein 80‑jähriges Bestehen und richtete den Blick dabei klar nach vorne. Seit acht Jahrzehnten steht der Verband für Zusammenhalt, für eine starke Interessenvertretung und für eine aktive Mitgestaltung der Politik im Sinne der Landwirtschaft in Hessen. „Der Hessische Bauernverband war und ist Interessenvertretung, Dialogpartner und Mahner zugleich“, betonte HBV‑Präsident Karsten Schmal. „Unser Ziel war immer eine Landwirtschaft, die wirtschaftlich tragfähig ist und gesellschaftliche Wertschätzung erfährt.“

Klarer Auftrag für die Zukunft

80 Jahre Verbandsgeschichte zeigen: Die Landwirtschaft in Hessen hat sich immer weiterentwickelt, durch Anpassung, Investitionen und fachliche Kompetenz. Genau dieser Anspruch gilt auch heute. Das Jubiläum ist deshalb kein reiner Rückblick, sondern ein klarer Auftrag für die Zukunft.

Gerade in Zeiten großer Veränderungen braucht es einen starken Berufsstand, der Verantwortung übernimmt, klare Forderungen formuliert und den politischen Dialog aktiv gestaltet. „Dieses Jubiläum gibt uns Zuversicht“, sagt Schmal. „Und es erinnert uns auch daran, dass es sich lohnt, sich für die Zukunft unserer Betriebe aktiv einzusetzen.“

Wirtschaftlicher Druck und politische Unsicherheit

„Viele Betriebe stehen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand“, machte Schmal deutlich. Die wirtschaftliche Lage auf vielen Betrieben hat sich deutlich verschlechtert. „Wir brauchen jetzt schnelle, gezielte und unbürokratische Entlastungen sowie mehr Planungssicherheit. Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Umbau der Tierhaltung. Wer seinen Betrieb weiterentwickeln will, braucht verlässliche Rahmenbedingungen statt pauschaler Vorgaben und starrer Regeln.“

Klare Forderungen für eine starke Tierhaltung in Hessen

Im Rahmen der Veranstaltung stellte der HBV eine hessische Nutztierstrategie vor, ein klares Bekenntnis zur Tierhaltung in Hessen. Sie verbindet Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und Praxisnähe und soll Betrieben Perspektiven eröffnen. Zu den zentralen Forderungen gehören einheitliche europäische Standards, die auch für Importe gelten, praxistaugliche Genehmigungsverfahren, die Stärkung regionaler Schlachtstätten sowie eine Förderung regionaler Vermarktung.

Gemeinsam die Zukunft gestalten

Schmal erklärte, dass die Zusammenarbeit mit der hessischen Landesregierung bisher von Dialog und Vertrauen geprägt sei. Gleichzeitig machte der Verband deutlich, dass weitere Schritte notwendig seien. „Der eingeschlagene Weg ist richtig, aber wir müssen ihn gemeinsam konsequent weitergehen“, so Schmal. „Unser Ziel ist es, die Betriebe dauerhaft zu stärken.“ In diesem Zusammenhang übergab Karsten Schmal den kürzlich veröffentlichten 10‑Punkte‑Plan für die hessische Agrar‑ und Umweltpolitik an Landwirtschaftsminister Ingmar Jung.

„Ich finde es gut und richtig, den Bauerntag ins Zeichen der Tierhaltung zu stellen. Denn die Tierhaltung ist die Basis der Landwirtschaft und steht – nicht nur in Hessen – unter Druck. Wir setzen uns auf Bundesebene klar für verlässliche und zukunftsorientierte Rahmenbedingungen in der Nutztierhaltung ein, um den landwirtschaftlichen Betrieben langfristige Planungssicherheit zu geben und gleichzeitig mehr Tierwohl zu ermöglichen“, sagte Landwirtschaftsminister Jung. 
Er ging in seinem Grußwort auch auf den immensen Einsatz der Landesregierung für regionale Vermarktung ein. Mit dem Förderprogramm „Hessen schmecken. Mehr Heimat auf den Teller“ unterstützt das Land ab sofort mit vier Millionen Euro jährlich die regionale Lebensmittelversorgung. Landwirtschaftsminister Jung fand auch deutliche Worte zur EU-Wiederherstellungsverordnung (WVO): „Wir brauchen klimastabile Ökosysteme für die Zukunft, keine Rückwärtsgewandtheit in Zeiten des Klimawandels. Das Problem bei der WVO liegt nicht nur im Inhalt, sondern auch in der handwerklichen Umsetzung. Zielkonflikte werden nicht gelöst, sondern ausgeblendet. Maßnahmen orientieren sich nicht an der Realität vor Ort, sondern machen Planungen bürokratischer. Und vor allem fehlt jeglicher Ansatz für eine tragbare Finanzierung.“

Der Hessische Bauerntag bot Raum für Austausch, für offene Gespräche und für gemeinsame Lösungen. Gerade in Zeiten großer Veränderungen setzte der HBV mit der Veranstaltung ein klares Zeichen für Zusammenhalt und die Zukunft der Landwirtschaft in Hessen.