Die Tierhaltung in Hessen nahm in den vergangenen Jahren deutlich ab. Immer mehr Betriebe tragen sich mit dem Gedanken, die Tierhaltung aufzugeben und andere betriebliche Schwerpunkte zu setzen. Diese Entwicklung ist das Ergebnis wachsender wirtschaftlicher Belastungen, steigender gesellschaftlicher Anforderungen, die selten monetär honoriert werden, und politischer Unsicherheiten. Dabei stellt die Tierhaltung in Hessen einen unverzichtbaren Pfeiler der regionalen Wirtschaft und Gesellschaft dar. Sie trägt in vielfältiger Weise zur Erhaltung funktionierender Stoff- und Nährstoffkreisläufe in der Landwirtschaft bei und prägt als elementarer Bestandteil der Grünlandregion das Landschaftsbild unseres Bundeslandes. In vielen Regionen Hessens ist die Bewirtschaftung der Flächen ohne Mahd zur Verwendung als Tierfutter und Beweidung gar nicht möglich, da diese Standorte für den Ackerbau ungeeignet sind. Die Haltung von Wiederkäuern und Pferden leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur Pflege der Kulturlandschaft, zur Erhaltung der Artenvielfalt und zum Schutz des Bodens.
Neben den Wiederkäuern liefern Schweine und Geflügel ebenfalls hochwertiges Fleisch für die menschliche Ernährung. Auch sie spielen eine wichtige Rolle in der landwirtschaftlichen Kreislaufwirtschaft und können, neben dem angebauten Getreide, Reststoffe wie beispielsweise Getreide, das z.B. durch Witterungseinflüsse nicht den Qualitätsanforderungen der Mühlen entspricht, verwerten.
Zudem schafft die Tierhaltung zahlreiche Arbeitsplätze auch in den vor- und nachgelagerten Bereichen und sichert als Standbein die Existenz vieler Familienbetriebe, die oft seit Generationen fest in der Region verwurzelt sind. Das hohe Tierwohl, das in Deutschland und in Hessen realisiert wird, hebt die Qualität der erzeugten Lebensmittel hervor und stärkt das Vertrauen der Verbraucher in heimische Produkte. Die Versorgungssicherheit mit regionalem Fleisch, Milch und Eiern ist für die Stabilität des ländlichen Raums ebenso unerlässlich wie für die Krisenfestigkeit unserer Ernährung insgesamt.
Damit diese wichtigen Funktionen der landwirtschaftlichen Tierhaltung auch künftig gewährleistet werden können, braucht es verlässliche und zukunftsorientierte Rahmenbedingungen. Diese müssen den Landwirten langfristige Planungssicherheit bieten und Investitionen in Tierwohl, moderne Stalltechnik sowie nachhaltige Produktion ermöglichen.
Als Hessischer Bauernverband stehen wir nach wie vor hinter den Forderungen der Borchert-Kommission. Sie fordert in ihrer Empfehlung eine grundlegende Neuausrichtung der Nutztierhaltung in Deutschland. Im Zentrum steht der schrittweise Umbau der Tierhaltung hin zu deutlich höheren Tierwohlstandards, wie ihn die Gesellschaft von der Landwirtschaft fordert. Dafür sollen Landwirte verlässliche und langfristige finanzielle Unterstützung erhalten, etwa durch staatliche Prämien für artgerechtere Haltungssysteme, Investitionsförderungen und klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Zudem forderte die Kommission eine verpflichtende Haltungskennzeichnung für tierische Produkte und eine gesamtgesellschaftliche Mitverantwortung für den Wandel, um Tierwohl, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden. Um Verbrauchern eine Wahlmöglichkeit mit bestmöglicher Transparenz zu gewähren, gehört zu einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung auch die Herkunftskennzeichnung dazu.