Ein anspruchsvolles Programm für eine Branche im Wandel
Bereits der erste Veranstaltungstag offenbarte mit der Podiumsdiskussion „Mehr. Wert. Milch – Wer zahlt, wer zählt?“ kontroverse Diskussionen zwischen den Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette Milch, zog aber auch das Fazit, dass faire Verantwortungsteilung und Transparenz entscheidend bleiben.
Fachvorträge, Marktentwicklungen und innovative Impulse
Der zweite Tag des Forums stand im Zeichen fachlicher Vertiefung. Die Teilnehmenden erwarteten unter anderem:
- Die aktuellen Entwicklungen auf dem Milchmarkt zeigen, dass die deutlich erhöhten Milchanlieferungsmengen nach wie vor die Märkte weltweit beeinflussen.
- Der Vortrag zu Ernährungstrends und Social-Media-Dynamiken rund um Lebensmittel zeigt, dass es eine deutliche Diskrepanz zwischen tatsächlichem Verbraucherverhalten und der Häufigkeit der Hashtags zu veganer Ernährung gibt. Auch die Bedeutung des Fotografierens von gekauften und gekochten Nahrungsmitteln wurde hervorgehoben – ganz nach dem Motto „Camera eats first“.
- Mit der Vorstellung des Dresdner Kuhgartens wurde zudem eine innovative Haltungsform für Milchkühe präsentiert.
Politischer Schwerpunkt zum Abschluss
Mit der Podiumsdiskussion „Versprochen – gehalten? Ein Jahr neue Bundesregierung“ wurde zum Abschluss des Berliner Milchforums ein politischer Schwerpunkt gesetzt. Expertinnen und Experten aus Politik und Praxis zogen Bilanz zu agrarpolitischen Weichenstellungen, Bürokratieabbau und strukturellen Herausforderungen der Erzeugerbetriebe. Dabei wurde erneut deutlich, wie wichtig verlässliche politische Rahmenbedingungen, marktorientierte Preis- und Risikoinstrumente sowie Innovation und Investitionsbereitschaft für die zukünftige Stabilität des Sektors sind.
Artikel 148 der GMO beschäftigt die Milchbranche
Nach der Beendigung des Trilogs zur Gemeinsamen Marktordnung ist weiterhin unklar, wie die Anwendung des Artikels 148 der GMO auf europäischer Ebene erfolgen soll. Der HBV lehnt staatliche Eingriffe in die Lieferbeziehungen zwischen Milcherzeuger und den Molkereien nach wie vor ab. Im Vorfeld hatte sich der HBV intensiv dafür eingesetzt, dass die Bundesregierung im Rat der EU und gegenüber der EU-Kommission klar Position bezieht und sich gegen eine nationale Umsetzung von Art. 148 GMO ausspricht.
1. Keine zusätzliche Bürokratie – Markt statt Regulierung
Der HBV sieht in der Einführung verpflichtender schriftlicher Lieferverträge gemäß Art. 148 GMO einen Schritt hin zu mehr Bürokratie, höheren Kosten und weniger unternehmerischer Freiheit für Milcherzeuger – ohne erkennbaren Mehrwert. Wie Karsten Schmal, Präsident des HBV, betont, würde eine solche Regulierung die ohnehin hohe Belastung der Landwirtschaft weiter verstärken.
2. Preisbildung über Marktmechanismen statt politische Vorgaben
Der Verband unterstreicht, dass die Preisbildung weiterhin den Marktkräften überlassen werden muss. Eine staatlich verordnete Vertragsgestaltung führt aus Sicht des HBV zu künstlichen Eingriffen, die weder den Erzeugern noch den Molkereien nutzen.
3. Bestehende Instrumente sind ausreichend und praxistauglich
Der HBV verweist darauf, dass bereits wirksame Marktinstrumente existieren, um Preisrisiken abzufedern. Festpreismodelle, welche von einigen Molkereien bereits angeboten werden, müssen weiter ausgebaut werden. Diese Weiterentwicklung bietet den Betrieben mehr Handlungsspielraum als regulatorische Pflichten.