Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat gemeinsam mit anderen Verbänden der Branche ein Positionspapier zu einem „Nationalen Sonderprogramm Sauenhaltung“ veröffentlicht. Darin fordert der Berufsstand ein eigenständiges, langfristig angelegtes Förderinstrument, um den tiefgreifenden Strukturwandel in der Sauenhaltung abzufedern und die Umsetzung der gesetzlichen Umbauvorgaben in den Betrieben zu ermöglichen.
Hintergrund ist die Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, die für Sauenhalter umfangreiche Investitionen insbesondere in Deckzentren (Umsetzung bis 2029) sowie in Abferkelbereiche (Umsetzung bis 2036) erfordert. Nach Einschätzung des Bauernverbandes drohen ohne eine gezielte staatliche Unterstützung weitere Betriebsaufgaben und ein nachhaltiger Verlust an Ferkelerzeugung in Deutschland.
Statistisch belegt: Dramatischer Strukturwandel in der deutschen Sauenhaltung
Die Forderungen des Bauernverbandes stützen sich auf einen seit Jahren anhaltenden und statistisch belegten Strukturwandel. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ist die Zahl der schweinehaltenden Betriebe in Deutschland im Zehnjahresvergleich um rund 41 % zurückgegangen. Zum Stichtag 3. Mai 2025 gab es noch 15.250 schweinehaltende Betriebe.
Langfristige Daten belegen die Dimension des Strukturwandels: Nach Auswertungen der ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands) ist die Zahl der Sauen haltenden Betriebe zwischen 2012 und 2022 um mehr als 55 % gesunken, während der Sauenbestand im gleichen Zeitraum um rund 34 % zurückging.
Warum heimische Ferkel für die Initiative Tierwohl ab 2027 unverzichtbar sind
Mit Blick auf die Initiative Tierwohl (ITW) gewinnt die heimische Ferkelerzeugung zusätzlich an Bedeutung. Ab dem 1. Januar 2027 ist die durchgängige Nämlichkeit verpflichtende Voraussetzung für eine Teilnahme an der ITW. Das bedeutet, dass Schweine lückenlos von der Geburt über Ferkelaufzucht und Mast bis zur Schlachtung unter ITW‑Bedingungen gehalten worden sein müssen, um als ITW‑Tiere vermarktet zu werden. Gleichzeitig endet zum 31. Dezember 2026 der ITW‑Ferkelfonds, die Vergütung der Tierwohlleistungen soll ab 2027 vollständig über den Markt erfolgen. Damit steigt die Abhängigkeit der ITW‑Mastbetriebe von verfügbaren ITW‑zertifizierten Ferkeln aus deutscher Erzeugung deutlich. Branchenanalysen weisen bereits heute auf eine Unterdeckung hin: Bundesweit fehlen mehrere Millionen Ferkel, die die Anforderungen der Nämlichkeit erfüllen, was die Funktionsfähigkeit der ITW‑Wertschöpfungskette gefährden kann.
Vor diesem Hintergrund ist der Erhalt und die Stärkung heimischer Sauenhaltungs‑ und Ferkelerzeugungsbetriebe eine zentrale Voraussetzung, um die ITW mit den höheren Haltungsstandards auch ab 2027 flächendeckend umsetzen und die Versorgung des Marktes mit ITW‑konformen Schweinen sicherstellen zu können.
Zukunft der Sauenhaltung sichern: Sonderprogramm gegen Betriebsaufgaben und Importabhängigkeit
Der anhaltende Strukturwandel in der Sauenhaltung macht aus Sicht des Bauernverbandes ein nationales Sonderprogramm zwingend erforderlich. Dieses soll Investitionen über mehrere Jahre absichern und den Betrieben die notwendige Planungssicherheit geben. Andernfalls drohten weitere Betriebsaufgaben, insbesondere in der Ferkelerzeugung, sowie eine wachsende Abhängigkeit von Importen.
Der Hessische Bauernverband (HBV) unterstützt diese Forderung ausdrücklich. Eine tragfähige Perspektive für die Sauenhaltung ist aus Sicht des HBV zentral für den Erhalt der regionalen Schweineproduktion, für Wertschöpfung im ländlichen Raum und für mehr Tierwohl in heimischen Ställen.